Graphen auf Titancarbid erzeugt neuartigen Phasenübergang

Graphen-induzierter Lifshitz-Übergang von einer blütenblattförmigen Fermi-Fläche zu einer zahnradförmigen Loch-Fermi-Fläche durch vergleichende vollständige Photoemissionskartierung der Bandstrukturen von blankem TiC(111) und Graphen/TiC(111). Copyright: HZB

An der Röntgenquelle BESSY II hat ein Team aus dem Helmholtz-Forschungsbereich Information einen Lifshitz-Übergang in TiC entdeckt, der durch eine Beschichtung mit Graphen hervorgerufen wird. Die Ergebnisse zeigen das Potenzial von 2D-Materialien wie Graphen und die Auswirkungen, die sie durch Wechselwirkungen im Nahfeld auf benachbarte Materialien haben. (Quelle: Helmholtz-Zentrum Berlin – Pressemitteilungen)

Das Stapeln von 2D-Materialien bietet Optionen, um Materialeigenschaften auf eine kontrollierbare Weise zu verändern. Allerdings ist der Einfluss von 2D-Materialien auf die Eigenschaften benachbarter Materialien durch Proximity-Effekte noch nicht vollständig geklärt. Insbesondere zeigt sich, dass dies Eigenschaften wie Bandlücken in Halbleitern und  exzitonischen Eigenschaften beeinflussen kann. Die Fermi-Flächen von Metallen gehören bisher nicht zu den Eigenschaften, die auf einen Annäherungseffekt reagieren.

Die Fermi-Fläche eines Metalls ist ein mathematisches Konzept, das die Elektronen mit der höchsten Energie im Material abbildet. Nur diese Elektronen sind an Eigenschaften wie der elektrischen Leitfähigkeit beteiligt. Ein wichtiger Aspekt der Fermi-Fläche ist, dass sie die Elektronen in Bezug auf die Richtung ihrer Bewegung darstellt.

Die neue Studie von Andrei Varykhalov und seinen Kollegen bei BESSY II zeigt, dass eine Graphenschicht einen Lifshitz-Übergang im oberflächennahen Bereich eines darunter liegenden Metalls, TiC, hervorrufen kann: Die Fermi-Fläche wandelt sich von einer lochartigen zu einer elektronenartigen Fermi-Fläche. Die Änderung der Fermi-Fläche ist besonders relevant, da dies auch die Richtung der Elektronenbewegung und im Magnetfeld auch die Richtung des makroskopischen elektrischen Stroms ändert.

Die Entdeckung eröffnet einen neuen Weg zur Kontrolle und Manipulation der elektronischen Eigenschaften von Materialien. Dies könnte für eine Reihe von technologischen Anwendungen spannend sein, zum Beispiel für die Entwicklung von Materialien mit Quanteneigenschaften wie Hochtemperatur-Supraleitfähigkeit.

Die komplette Pressemitteilung finden Sie unter:

Graphen auf Titancarbid erzeugt neuartigen Phasenübergang

Die Originalpublikation finden Sie unter: 

Phys. Rev. Research (2023): Lifshitz transition in titanium carbide driven by a graphene overlayer, M. Krivenkov, D. Marchenko, E. Golias, M. Sajedi, A. S. Frolov, J.Sanchez-Barriga, A. Fedorov, L. V. Yashina, O. Rader and A. Varykhalov, DOI: 10.1103/PhysRevResearch.5.023120

Verortung im Helmholtz-Forschungsbereich Information:

Helmholtz-Forschungsbereich Information, Programm 2: Natural, Artificial and Cognitive Information Processing, Topic 1: Quantum Materials

Kontakt:

Dr. Maxim Krivenkov
Abteilung Spin und Topologie in Quantenmaterialien am Institut für Quanten- und Funktionale Materialien
Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB)
Tel.: +49 30 8062 – 12345
E-Mail: maxim.krivenkov@helmholtz-berlin.de

Dr. Andrei Varykhalov
Abteilung Spin und Topologie in Quantenmaterialien am Institut für Quanten- und Funktionale Materialien
Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB)
Tel.: +49 30 8062 – 14888
E-Mail: andrei.varykhalov@helmholtz-berlin.de

Prof. Dr. Oliver Rader
Leiter der Abteilung Spin und Topologie in Quantenmaterialien am Institut für Quanten- und Funktionale Materialien
Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB)
Tel.: +49 30 8062 – 12950
E-Mail: rader@helmholtz-berlin.de

 

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