
An Bord 22. September 2019, von Marcel Nicolaus |
Am Tag der Abreise wurde vielen von uns noch einmal sehr deutlich wie lang die Phase der Planungen und Vorbereitungen von MOSAiC war. Ideen und Planungen wurden seit den ersten Treffen im Jahr 2011 immer konkreter und detaillierter und es ist unglaublich viel Arbeit und Energie von der gesamten internationalen MOSAiC Gemeinschaft in die Vorbereitung dieses einmaligen Projektes gegangen. Und nun war es wirklich so weit: Freitag 20. September 2019 20:48 Uhr — Polarstern legt in Tromsø ab. Unzählige Tabellen und Konzepte treffen nun auf die Realität und müssen sich bewähren oder doch weiter angepasst werden. Wir reisen mit Spannung der Zielregion im arktischen Meereis entgegen. Anders als Nansen vor 125 Jahren sind wir bestens mit Karten und Informationen ausgestattet, haben eine gute Vorstellung von dem, was uns dort erwarten wird und auch wohin uns die Drift des Meereises tragen wird, aber wirklich wissen tun wir es dann doch nicht.
Es hat geklappt: Alle 64 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und weit über 1000 einzelne Packstücke an wissenschaftlicher Ausrüstung sind an Bord von Polarstern. Allein, dass all das geklappt hat ist bemerkenswert und auch unser zweites Schiff, die Akademik Fedorov, ist unterwegs. Sie hat noch auf die allerletzte Fracht gewartet und ist dann am nächsten Morgen um 10:00 Uhr ausgelaufen. Nun dampfen wir gemeinsam ins Packeis, um dort unser Eiscamp und das Netzwerk der Messstationen aufzubauen.
Die letzten Tage und Wochen waren sowohl in Tromsø als auch an all den anderen Orten der MOSAiC-Welt sehr anstrengend und arbeitsintensiv, aber nun geht es endlich richtig los. Auch wenn der Abschied oft nicht einfach war, überwiegen jetzt schon die Vorfreude auf die Expedition. Dafür haben wir bereits das Ablegen als Meilenstein mit Familien, Projektpartnern und geladenen Gästen gefeiert. „Dieses Mal ist es eine echte Expedition“ sagte Kapitän Schwarze bei seiner ersten Ansprache hier an Bord, denn „vieles ist ungewisser als sonst, vieles ist neu und einmalig, und selbst der genaue Zeitpunkt der Rückkehr etwas ungewiss – anders als bei den sonstigen Polarsternreisen“. Dieses drückt sicherlich gut die besondere Gespanntheit an Bord aus.
Polarstern wurde in vielerlei Hinsicht für dieses Experiment modifiziert, nur größer ist sie leider doch nicht geworden. Das Schiff war vermutlich nie so voll bis in alle Ecken mit Ausrüstung. Das Packen im Hafen war ein echtes Mosaik, kaum 2 Kisten hatten das gleiche Format, es wusste keiner vorher wie das alles an Bord passen und was wo Platz finden würde. Aber am Ende hatten wir es geschafft es alles einzupassen. Nun erwarten wir, dass wir am 26. oder 27. September das Meereis erreichen und uns den Weg zur Scholle brechen werden. Bis dahin gilt es, dass wir uns hier an Bord einrichten und Arbeitsräume schaffen und all die Geräte und Ausrüstung sortieren. Wer hätte das alles so erwartet, als vor 8 Jahren die Idee von MOSAiC geboren wurde.
