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Polarstern-Blog

Aus dem Geschichtsbuch des Südpolarmeeres

Sandfraktion einer Sedimentprobe vom antarktischen Kontinentalhang vor Kapp Norvegia mit Schalen von Radiolarien, benthischen (am Boden lebenden) und planktischen (im Oberflächenwasser lebenden) Foraminiferen und Schwammnadeln. Der Durchmesser der Mikrofossil-Gehäuse der einzelligen Tiere liegt zwischen 0,5 und 1 mm. Foto: Hannes Grobe

Von Hannes Grobe |

Das Schwerelot bringt im Abendrot Sedimente vom Meeresboden an Bord. Im Stahlrohr befindet sich ein 4 m langes Profil welches geologische Ereignisse aus der Antarktis aus bis zu 30000 Jahre dokumentiert. Foto: Hannes Grobe

Feldspat, Quarz und Glimmer – die drei vergess ich nimmer. Granit ist ein hartes Gestein, trotzdem sind seine Minerale nicht vor Zerfall gefeit. Schon gar nicht, wenn kilometerdickes Eis daran knabbert. Diese Situation findet man ausgeprägt der Antarktis – vor deren Eisküste zur Zeit das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Institutes (AWI) die hohen südlichen Breiten des Erdsystems erforscht (Expedition PS111). Zu der ausgewählten Mischung naturwissenschaftlicher Disziplinen an Bord gehören auch Geologen. Womit wir wieder beim Granit und seinen Verwandten wären.

Kontinente wie die Antarktis bestehen aus Gesteinen, die im Verlauf geologischer Zeiträume verwittern. In den Polargebieten erledigt das Eis diesen Vorgang und den Abtransport des Verwitterungsmaterials gleich mit. Entsorgt wird per Eisberg im Meer. Der Schwerkraft folgend entstehen am Meeresboden „glazialmarine Sedimente“. Die „Körner“ von der Größe eines Kriegerdenkmals bis zu feinsten Tonpartikeln werden verdünnt und garniert mit dem was im Meer lebt und stirbt. Planktonschalen aus Kalk und Opal sind die fossilen Mikropräziosen am Boden des Südpolarmeeres. Das unglaubliche Formenspektrum eines Sedimentes möge sich erschließen beim Betrachten des profanen Inhaltes einer Sandkiste und den Zeichnungen von Heckel in „Kunstformen der Natur“.

Verwitterung und Planktonwachstum unterliegen der Kontrolle von Umwelt und Klima. In geologischen Zeiträumen verändert sich alles und ständig und überall. Die Erde ist ein vitaler Planet. Die Sedimente erinnern sich an die Umstände ihrer Entstehung. Die Meeresgeologen an Bord möchten im Geschichtsbuch des Südpolarmeeres lesen. Sie verstehen zwar die Sprache – allein die Übersetzung ist etwas aufwändiger.

Die ungestörte Oberfläche einer Sedimentabfolge liefert ein spezielles Gerät. Der Doktorand des GEOMAR Huang Huang transportiert hier vorsichtig einen 40 cm langen Multicorer-Kern samt dem überstehenden Bodenwasser ins Labor. Foto: Hannes Grobe

Mit einem so einfachen wie zuverlässigen Gerät stochern die Geologen in den Erinnerungen herum. Ein mehrere Meter langes Rohr mit tonnenschwerem Bleichgewicht (Schwerelot) liefert einen zeitlichen Ausschnitt der Ablagerungen unter dem Schiff. Polarstern hat genug Seil dabei, um das in jeder Wassertiefe zu ermöglichen. Dann liegt der uralte Matsch im Labor und die Übersetzung beginnt – unter Insidern auch bezeichnet als Paläoklimatologie und Paläoozeanographie. Kern für Kern tragen so die Meeresgeologen zur Rekonstruktion der Geschichte der Antarktis bei – denn gerade die Klimageschichte ist ein Schlüssel zum Verständnis ihres zukünftigen Wandels. Fünf Kisten sind bereits gefüllt mit hunderttausend Jahre alten Büchern. Es gibt viel zu lesen.

 

 

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