Auf dem Weg ins wissenschaftliche Untersuchungsgebiet des Filchner-Ronne-Schelfeises im tiefen Süden des antarktischen Weddellmeeres versorgt die Polarstern auch die Neumayer-Station III. Der Großteil der Fracht ist seit Mitte Dezember an Bord, als das Schiff von Bremerhaven aus zum Transit über den Atlantik nach Südafrika aufbrach. In Kapstadt kamen neben ergänzendem Frischproviant und Treibstoff auch die Teilnehmenden der aktuellen Forschungsexpedition dazu. Unter ihnen: AWI-Verwaltungsdirektor Karsten Wurr und Logistik-Koordinatorin Christine Bartsch. Beide schildern hier ihre Eindrücke.
Ohne Antarktis ist alles nichts
Forschung in der Antarktis ist etwas ganz Besonderes. Vom Büro in Bremerhaven und aus diversen Besuchen auf der Polarstern wusste ich das bereits vorher. Aber erst jetzt, bei meiner ersten Mitfahrt auf dem Flaggschiff der Polarforschung, wird mir klar, was es heißt, tausende Seemeilen von der Zivilisation entfernt auf einem Forschungseisbrecher mit knapp 100 Frau und Mann Besatzung bzw. Wissenschaft unterwegs zu sein. Es ist äußerst spannend, wenn die verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft, ob Ozeanographie, Bathymetrie, Geologie oder Biologie ihre Methoden ausprobieren und erste wissenschaftliche Stationen auf der Anfahrt zur Versorgung der Neumayer-Station III abgearbeitet werden. Dabei ist bemerkenswert, mit welch beruhigender Routine die Schiffsbesatzung und das wissenschaftliche Personal den vielfältigen Forschungsbetrieb organisieren. Auch neue Themen, wie die Suche nach Mikroplastik in der Antarktis, fügen sich nahtlos in das Forschungsprogramm ein. Und wenn dann noch in der Morgensonne eine Schule Buckelwale am Schiff dabei zuschaut, ist mir ganz persönlich klar, warum es sich lohnt, für die Wissenschaft immer wieder in die Antarktis zu gehen!
Karsten Wurr, AWI- Verwaltungsdirektor
Wasserfontainen wie Feuerwerke
Antarktis, ja, das ist was. Tatsächlich war ich letztes Jahr schon dort, aber damals bin ich aus einem umgebauten Lastenflugzeug gestiegen, bevor ich meinen Fuß das erste Mal aufs ewige Eis setzen durfte. Jetzt ist alles anders. Eine rund zehntägige Überfahrt auf Polarstern bringt mich zur Neumayer-Station lll, wo ich von Bord gehen werde. Mit dem Auslaufen in Kapstadt beginnt ein gleichmäßiges Schaukeln, dass sich im Liegen wesentlich besser anfühlt als im Stehen. Die Temperaturen sinken nach und nach, die Laune steigt. Weit und breit nur wir. Plötzlich Wasserfontainen wie Feuerwerke. Erst weiter weg, dann immer näher. Wale interessieren sich für uns, für das, was wir in ihrem Lebensraum tun. Forschen. Viel Betrieb herrscht hier inmitten des Ozeans. Die Vorbereitungen der Expedition laufen auf Hochtouren. Kisten werden über das Deck getragen und Labore eingerichtet. Tägliche Vorträge über die vielen Forschungsvorhaben an Bord lassen die Vielfalt der geplanten Unternehmungen erahnen. Aus der Kammerluke sieht man in der Nachbarschaft ab und zu Eisberge aufleuchten, manchmal sind sie sogar belebt. Schon bald setze ich meinen Fuß ein zweites Mal aufs Eis. Dieses Mal aber war es eine richtige Reise.
Christine Bartsch, Medizinisch-logistische Koordinatorin am AWI
