Von Johanna Geilen und Clara Stolle |
Eigentlich sollte unsere Forschungsarbeit an Bord der Polarstern erst nach Versorgung der deutschen Forschungsstation Neumayer III beginnen. Doch mitten im antarktischen Winter des letzten Jahres trat ein riesiges Loch, eine sogenannte Polynja, im Meereis des Weddellmeeres auf (Abbildung 1). Die Polynja entstand nordöstlich der Meeresbodenerhebung Maud Rise und erstreckt sich über eine Fläche von ca. 40.000 km². Die Ausdehnung in der sonst dicken und geschlossenen Meereisoberfläche entspricht somit in etwa der Fläche der Niederlande. Dieses blieb für über 4 Monate geöffnet. Das erste und gleichzeitig einzige Mal wurde dieses Phänomen zuvor vor 40 Jahren beobachtet. Das Auftreten dieser Polynja ist also etwas wirklich Besonderes.
doi:10.1029/2005JC003384. www.seaice.de
Der Forschungsgemeinde der Ozeanographen ist noch unklar wie genau es zum Entstehen dieser Polynia kommt. Einig ist man sich, dass das Schmelzen des Meereises durch aufsteigende warme Wassermassen bedingt ist. Welche Prozesse für das Aufsteigen dieser Wassermassen verantwortlich sind, ist jedoch unklar. Aus der Vermessung der Polynia erhofft man sich weitere Anhaltspunkte dafür zu erlangen. Somit war klar, die Chance, die Maud Rise Polynia zu erforschen dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Denn wer weiß wann dieses Phänomen das nächste Mal auftritt? Der ursprüngliche Arbeitsplan der Ozeanographen wurde dementsprechend um die Vermessung dieser Polynia erweitert. Jetzt im antarktischen Sommer ist die Polynia zwar nicht mehr zu sehen, da das Meereis um sie herum vollständig geschmolzen ist, trotzdem erhoffen wir uns, noch Auswirkungen von ihr in der Wassersäule zu erkennen.
Die Vermessung erfolgte durch einen CTD-Transekt zwischen dem 60. und dem 68. südlichen Breitengrad, entlang der erfassten Längsausdehnung der Polynia. Die CTD ist ein mit Sensoren bestücktes Gerät, das ein vertikales Profil von Leitfähigkeit (Conductivity), Temperatur (Temperature) und Tiefe (Depth) aufzeichnet. Anschließend können daraus u.a. Salzgehalt und Dichte errechnet werden. Da jede Wassermasse durch Temperatur und Salzgehalt charakterisiert wird, können wir in unseren CTD-Profilen verschiedene Wassermassenschichten erkennen. So sehen wir z.B. kalte, salzarme und wärmere, salzreiche Wasserschichten in der oberen Wassersäule (< 1000m Tiefe), die für das Phänomen eine Rolle spielen.
Für die Vermessung der Polynia wurden insgesamt 30 CTD-Vertikalprofile erfasst. Ob diese zu einem Aufklären des Phänomens der Maud Rise Polynia im Weddellmeer führen, wird sich zu Hause bei der Datenauswertung und dem Vergleich mit vorher gemessenen CTD-Profilen zeigen.
Von Johanna Geilen und Clara Stolle, Masterstudentinnen der Universität Freiburg i. Br. und Universität zu Kiel
