Von Tobias Schaaf |
Die Antarktis ist ein Kontinent großer Kontraste. Der für das Wetter sicherlich bedeutendste Kontrast ist, dass je nach Jahreszeit Polartage (Sommer) oder Polarnächte (Winter) und somit entweder durchgehendes Tageslicht (Sommer) oder aber durchgehende Dunkelheit (Winter) vorherrschen. Entsprechend groß fällt das Temperaturspektrum aus, von -80°C auf dem Plateau der Ostantarktis im Winter bis zu leichten Plusgraden im Sommer an so mancher Küste ist alles drin. Die Jahreszeiten sind im Gegensatz zur Nordhemisphäre der Erde phasenverschoben, so dass der Winter auf der Nordhalbkugel mit dem Sommer auf der Südhalbkugel zusammenfällt. Wir haben uns mit der Polarstern im südhemisphärischen Sommer diesem südlichsten Kontinent genähert. Es ist die wohl zugänglichste Zeit, denn im Winter sind die Stürme lang und das Meereis zu dick.
Die Temperaturen auf unserer Fahrt zwischen der Atka-Bucht und dem südlichen Weddellmeer fielen mit Temperaturen zwischen -4 und -21°C bereits recht unterschiedlich aus. Vor allem Winde von den großen Schelfeisen bringen die kältesten Luftmassen zur Küste. Gerade bei viel Wind fühlen sich diese Temperaturen dann schnell noch niedriger an. Der sogenannte Windchill berücksichtigt die zusätzlich auskühlende Wirkung des Windes für den Menschen, so dass die gefühlte Temperatur auf unserer Fahrt zwischenzeitlich durchaus -50°C betrug. Bei solch niedrigen Temperaturen müssen erste Schutzmaßnahmen vor Erfrierungen getroffen werden.
Streift ein kalter Wind von den Schelfeisen über offenes Wasser (Polynya, Abbildung 1), so tritt ein weiteres Spektakel auf – Seerauch. Ähnlich wie bei kochendem Wasser auf einem Herd steigen dann „Rauchschwaden“ von der Wasseroberfläche empor. Fällt der Seerauch kräftig aus entstehen tiefe Wolken oder gar Nebel. Wir sind mit der Polarstern durch dichten Seerauch gefahren (Abbildung 2) und das Schiff wurde von einer fingerdicken Rauhreifschicht überzogen.
Abseits davon haben wir auf unserer Fahrt entlang der antarktischen Küste nur wenig Niederschlag beobachtet (Abbildung 3). Dieser Umstand passt zum Eindruck, der beim Anblick der Niederschlagsklimatologie geweckt wird. Die Antarktis ist die größte Wüste. Auf diesem Hintergrund erscheinen die riesigen Schelfeisflächen umso erstaunlicher, die sich von den Inlandsgletschern auf das Meer schieben und lediglich durch Niederschläge genährt werden. Nur durch den über Jahrtausende ausbleibenden Taueffekt im Inland konnten sich diese Eismassen entwickeln.
Das Zusammenspiel meteorologischer und vieler weiterer Verhältnisse bestimmen letztlich unsere Vorhaben auf dem Schiff. So schließen sich mögliche Passagen durch die von Wind und Strömung bedingte Meereisdrift, während sich andernorts Passagen öffnen und neue Wege möglich machen. Das Leben an Bord ist somit einem ständigen Anpassungsmoment unterworfen. Jeder Tag zeigt uns aufs Neue, wie gewaltig die Natur in der Antarktis ist.
Dipl. Meteorologe Tobias Schaaf
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