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Polarstern-Blog

7 Wissenschaftler, 3 + 1 Projekte und unzählige Splinte – oder eine kurze Tour durch die Geophysik

Polarsterns BO-105 Helikopter während des Abhebens mit der Magnetometersonde. Foto: Thomas Ronge

Von Katharina Hochmuth | Nachdem sich vor ein paar Tagen die Arbeitsgruppe mit der größten Mannschaftsstärke vorgestellt hat, möchte ich nun unseren geschätzten Lesern die Gruppe mit der höchsten Frauenquote vorstellen: Willkommen bei der Geophysik.

Wer hier arbeitet, für den sind Schäkel, Kabelbinder und Splinte keine Fremdwörter. Overalltaschen werden mit Taschenmessern, Tape, Seitenschneidern und Schraubenschlüsseln gefüllt. Sedimente zu beproben und in kleinen Portionen in Plastikbeutel zu verpacken liegt uns genauso fern, wie unter dem Mikroskop nach Diatomeen und Foraminiferen zu suchen. Wir denken meist in drei Dimensionen und machen für manche den Kindheitstraum vom Fliegen wahr… aber Spaß beiseite…

Das siebenköpfige Team der Geophysik arbeitet hier an drei Forschungsprojekten in verschiedenen Disziplinen der Geophysik. Nebenbei unterstützen wir die Hydroakustikgruppe mit Wachgängen am Sedimentecholot.

Die zweiköpfige Gruppe der Helikoptermagnetik vermisst das Erdmagnetfeld, um später die lokalen Anomalien herauszuarbeiten. Zusammen mit den Daten, die 2006 und 2010 ebenfalls mit den Helikoptern der Polarstern gesammelt wurden, erhalten wir ein immer klareres Bild des tektonischen Aufbaus der Pine-Island-Bucht und des Amundsenmeeres.

Die Geophysikarbeitsgruppe bei der Ausbringung des 600 m langen Hydrophonkabels (‘Streamer’). Foto: Thomas Ronge

Während der Vermessung der tieferen Sedimentschichten mit seismischen Methoden ist die komplette Geophysikgruppe gefragt. Wir schleppen und zerren mit Hilfe der Decksmannschaft das 600m lange Hydrophonkabel über das Deck und klammern uns an die Versorgungsleitungen der Luftpulser. Den Fitnessraum braucht danach von uns keiner mehr. Uns interessiert besonders die Geometrie der Sedimentschichten und deren Veränderung, beispielsweise durch Verlagerung von Eisströmen oder den Rückzug des Eisschelfes. Mit Hilfe der Bohrungen, die mit dem MeBo abgeteuft werden, wollen wir die verschiedenen Sedimentschichten datieren, um die Sedimentbedeckung zu verschiedenen geologischen Zeiträumen rekonstruieren zu können. Um eine besonders gute Auflösung der obersten Sedimentschichten, die mit dem MeBo beprobt werden können, zu erreichen, haben wir auch noch zusätzlich ein zweites Hydrophonkabel, das wir liebevoll den kleinen grünen Gartenschlauch nennen, mitgebracht. Im Gegensatz zu seinem „großen Bruder“ wird dieser per Hand ausgebracht und an der Oberfläche hinter dem Schiff hergezogen. Bei der Fahrt durch Eisfelder wird er somit schon mal über die eine oder andere Scholle gezogen, aber das übersteht der „Kleine“ auch problemlos. Wir erhoffen uns durch den Einsatz zweier verschiedener Aufnahmesysteme, dass wir die Sedimentschichten in unterschiedlichen Genauigkeiten und verschiedenen Tiefen abbilden und somit die Daten aus den Bohrungen besser einbetten und in die Ebene extrapolieren können.

Die Magnetometersonde des Helikopters kurz vor dem ersten Einsatz. Foto: Thomas Ronge

Arbeitsgruppe Nummer 3 der Geophysik befasst sich mit den Messungen des geothermischen Wärmestromes in den Sedimenten. Ein erhöhter Wärmestrom deutet auf tektonische oder magmatische Aktivität im Untergrund hin. In der Pine-Island-Bucht wird darüber spekuliert, ob ein erhöhter Wärmestrom aus der Tiefe das Abschmelzen der Gletscher in dieser Region begünstigt. Gemessen wird mit kleinen Temperatursensoren, die an einer Lanze angebracht sind. Während der Messung muss die Lanze mehrere Minuten im Meeresgrund stecken bleiben. Besonders in der Nacht kommen einem diese paar Minuten wie eine Ewigkeit vor. Da die Thermometer relativ ungeschützt in den Boden gerammt werden, stehen wir bei jedem Einholen der Lanze nervös an Deck. Haben alle Sensoren die Reise in die Tiefe unbeschadet überstanden?

Während jetzt in den letzten Tagen schon ans Einpacken gedacht wird, bündeln wir in der Geophysik nochmal unsere Kräfte. Die große Wärmestromlanze wurde mit der tatkräftigen Unterstützung der Decksmannschaft schon auseinander gebaut, so dass wir in diesem Bereich schon anfangen können einzupacken. Allerdings hoffen wir noch auf Helikopterflug Nummer 15, um unser helikoptermagnetisches Programm abzuschließen. Und vor dem Beginn des Heimwegs sollen noch mehrere reflexionsseismische Profile vorheriger Fahrten seismisch verbunden werden. Jetzt hoffen wir, dass sich die Nebeldecke nochmal lichtet und uns keine allzu großen Eisschollen den Weg in den Norden versperren.

 

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