Polarstern-Blog

Meereis-Proben

Unsere erste Eisstation. Gerade zerschneiden wir einen Kern in 10 cm Abschnitte, um später die unterschiedlichen Kernschichten auf Nährstoffe und Salzgehalt zu untersuchen. Foto: Josephine Rapp

von Josephine Rapp |

Während dieser Fahrt ging es für mich das erste Mal aufs Meereis. Fast hätte uns das Wetter in der Framstraße einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn wegen des anhaltenden dichten Nebels konnten die Helikopter nicht fliegen. Zum Glück konnten wir dann doch einige Nebel-freie Stunden finden und haben so inzwischen schon drei erfolgreiche Eisstationen hinter uns.

Ich möchte gerne Eiskerne bohren, um sie auf ihre mikrobielle Gemeinschaft zu untersuchen. Gleichzeitig untersuchen wir an diesen Stationen auch das Wasser und den Tiefseeboden und wollen so verstehen wie viel Austausch zwischen den einzelnen Lebensräumen besteht.

Unsere erste Eisstation. Gerade zerschneiden wir einen Kern in 10 cm Abschnitte, um später die unterschiedlichen Kernschichten auf Nährstoffe und Salzgehalt zu untersuchen. Foto: Josephine Rapp

Arbeiten auf dem Eis müssen gut vorbereitet und geplant sein, da man die Station abbrechen und aufs Schiff zurückzukehren müsste, hätte man etwas vergessen. Schon Monate vorher musste ich mir überlegen, welche Ausrüstung ich auf der Scholle benötigen werde und dabei bedenken, dass der Platz sowohl im Heli, als auch im Schlauchboot sehr begrenzt ist. Zum Glück mache ich die Eisarbeit nicht alleine, sondern mit Daniel. Er war schon auf einigen Arktis-Expeditionen dabei und hat viel Erfahrung mit dem Kerne bohren. Während ich vor dem ersten Aussetzen ganz aufgeregt war, blieb er gelassen und ist mit mir durchgegangen, ob ich auch an alles gedacht habe. Doch auch trotz guter Vorbereitung können Dinge schief laufen, so ist zum Beispiel während der zweiten Eisstation der Akkubohrer ausgefallen, mit dem wir die Kerne bohren. Wir mussten sie dann von Hand bohren, das dauerte zwar ein bisschen länger, hielt aber warm und war bestimmt auch ein super Fitnessprogramm.

 

Der Heli auf der Scholle, nachdem er uns und das Equipment abgesetzt hat und bereit zum Abheben ist. Foto: Josephine Rapp

Seit einigen Tagen scheint jetzt bei uns die Sonne, sodass wir für die dritte Eisstation mit dem Heli ausgeflogen werden konnten. Nachdem wir eine Scholle gefunden hatten, die aus der Luft geeignet zum Landen aussah, wurden wir zu dritt ausgesetzt: Daniel, ich und Volker, der für uns die Eisbär-Wache übernahm. Da wir auf dem Eis länger brauchen als der Heli auf dem Eis bleiben darf, blieb er nur bis das Equipment entladen war. Dann flog er zur Polarstern zurück und wir waren plötzlich alleine auf einer Scholle mitten in der Arktis. Im Vergleich zu der geräuschvollen Umgebung des Schiffes war es ganz ruhig, der Schnee und das Eis glitzerten in der Sonne und die Bewegung der Schollen erzeugten hin und wieder ein leises Knacken. Es war wunderschön! Ein paar Meter weiter entdeckten wir die riesigen Abdrücke von Eisbärtatzen und ein bisschen mulmig war mir schon. Aber wenn man dann erst mal mit der Arbeit angefangen hat, der Bohrer ausfällt und man sich wieder von Hand durch zwei Meter dickes Eis bohrt, bleibt keine Zeit für solche Gedanken. Es hat alles gut geklappt, wir bereiten schon die nächste Eisstation vor und wünschen uns zurück auf die Scholle!

 

Größenvergleich: Links der Tatzenabdruck des Eisbären, rechts Daniels Handschuh. Foto: Daniel Scholz
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