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Polarstern-Blog

Das südlichste Fußballspiel der Welt?

Das südlichste Fußballspiel der Welt? Foto: Armin Ganter

Von Henrik Christiansen |

Eine besonders schöne Wolke, auch Lenticularis genannt. Foto: Julia Fruntke

Wissenschaftler sind viel beschäftigte Menschen (auch daran zu bemerken, dass sie selten pünktlich Blog-Einträge verfassen). Ehrlich gesagt würden die meisten wohl als Paradebeispiel des „Workaholics“ durchgehen. Man kann zu den unmöglichsten Zeiten durch das Schiff wandern und stolpert über schlaftrunkene Gestalten, die noch „schnell“ die neueste Satellitenkarte herunterladen, oder die Eisobservierung machen, oder hochkonzentrierte Wissenschaftler, die über Forschungsartikeln brüten oder gar in voller Arbeitsmontur Bohrkerne schlachten. 72 Stunden Tage sind machbar solange es nur genug Kaffee gibt. Das Schiff schläft nie. Auch Dank der großartigen Unterstützung der Besatzung, die dafür viele Entbehrungen hinnehmen muss.

Jede Arbeitsgruppe folgt ihrem eigenen Rhythmus. Wenn es bei den Ozeanographen viel zu tun gibt, haben die Biologen eher etwas Ruhe und umgekehrt. Und auch wenn Wochenende und geregelte Arbeitszeiten Fremdwörtern gleichkommen, so gibt es sie doch, die Momente der Entspannung. Zum Runterkommen, zum Auftanken, zur Ablenkung, zur Erholung.

Wasserball im bordeigenen Pool. Foto: Rolf Zentek

Aber was tut man, wenn die nächste nennenswerte Zivilisation mehr als 1000 km weit entfernt ist? Polarstern hat auch hier die Antwort. Bordbibliothek, Vortrags- bzw. Kinosaal, Fitnessraum, Sauna und sogar Schwimmbad warten auf mental oder körperlich ausgelaugte Gäste. Kartenspiele erfreuen sich ebenso großer Beliebtheit, wie Tanz- und Singstunden. Der spontan entstandene Chor hat nicht nur zu Weihnachten gesungen, sondern wird auch ein Abschlusskonzert geben. Festivitäten finden unter verschiedenen Mottos in der Bordbar statt. Populärwissenschaftliche Vorträge über Wale, Wetterphänomene und Plattentektonik unterhalten ebenso wie Rock-Konzertaufzeichnungen. Beim Ronne-Schelfeis gab es sogar Zeit für ein Fußballspiel auf dem Festeis.

Es ist also eigentlich für alles gesorgt. Wenn es nun noch frische Tomaten gäbe… Dann würde vielleicht auch der sonntägliche Gang zum Wiegeklub weniger belastend ausfallen. Um noch kurz die Kurve zu ernsteren Themen zu kriegen: angesichts all dieser Möglichkeiten müssen sich die 6 auf dem Eis arbeitenden Kollegen des British Antarctic Survey vom Ronne-Depot wie im Paradies gefühlt haben als sie für 1-3 Nächte an Bord konnten. Dort, am Schelfeisrand im tiefen Süden des Weddellmeers, haben wir Versorgungsgüter und Material für Bohrungen, die Messungen unter dem Schelfeis ermöglichen, entladen. Ein Produkt internationaler Zusammenarbeit, das Aufschluss geben soll über die Veränderungen des Filchner-Ronne-Schelfeis – ein Gebiet ungefähr so groß wie Spanien.

Ein Schneemann irgendwo in der Nähe des Ronne-Eisschelfs. Foto: Julia Christmann

Ähnlich ging es den vier Abenteurern vom Robben und ROV Team (siehe Blogeintrag „Von Weddellrobben und ROV“ und Spiegel online). Nach gut vier Wochen im Drescher-Inlet hatten sie zurück an Bord kaum genug Zeit, um ausführlich zu duschen und von ihren Erlebnissen zu berichten. Es wartet noch eine lange Rückreise mit diversen Zwischenstopps auf verschiedenen Antarktisstationen auf sie. Soviel sei dennoch verraten: ihr Ausflug auf und unter das Eis hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Nach britischen Besuchern und kurzzeitigen Rückkehrern ist nun fast wieder so etwas wie Ruhe auf dem Schiff eingekehrt. Wäre da nur nicht diese Sache mit Neptun und ungetauften Passagieren… Wir halten es an dieser Stelle wie der aktuelle Wochenbericht – bei Interesse frage man doch einfach die Betroffenen persönlich.

Grüße von der Polarstern,

Henrik Christiansen, Universität Leuven

 

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