Von Karen Wiltshire und Pauhla McGrane| Weit draußen, hier in dieser “Ecke” des Atlantiks bei 21° 58 N und 21°33 W, ist die Wasseroberfläche dunkelblau.
Tagelang beproben wir den Ozean mit Rosette, Niskin-Flaschen und diversen Sensoren für Temperatur, Salinität und Fluoresezenz. Verschiedene Netze mit unterschiedlichen Maschengrößen werden eingesetzt, um Zooplankton und Phytoplankton zu untersuchen. Unsere Stationstiefen variieren zwischen 100 und 4700 Meter Tiefe.
Solche Probennahmen sind für Wissenschaftler/innen eine hehre Herausforderung. Ein hohes Maß an Geschicklichkeit und Organisationstalent ist gefragt, kombiniert mit endloser Geduld. Die gute Organisation ist vor allem im Vorfeld einer Station notwendig, damit alle Geräte für einen schnellen Einsatz vorbereitet sind. Ab dem Moment, in dem die Rosette ins Wasser eintaucht, ist dann „eeeeeendlose“ Geduld gefragt. Man beobachtet, wie die Rosette, bestückt mit unseren kostbaren Geräten, ins tiefe Dunkel herabsinkt und verschwindet. Endlose Meter von Einleiterkabel werden von der Windentrommel abgespult, während wir freudig die Daten erwarten, die von den messenden Sensoren aus der zunehmenden Tiefe an die Oberfläche geschickt werden.
Man sieht, wie das Wasser unter der Oberfläche immer kühler wird, bis die Rosette die sogenannte Thermokline erreicht, unter der nur kühles Wasser vorherrscht und bis Boden kein Licht mehr durchdringt. Photosynthetische Organismen positionieren sich in den obersten Schichten des Wassers, so dass sie noch ausreichend Licht für ihr Wachstum abbekommen. Gleichzeitig sitzen sie vorwiegend in einer Lage über dem „Kompost“ von Detritus im Trübungsmaximum, das meist an der Thermocline liegt, um an Nährstoffe ran zu kommen. Unter dieser Lage beobachten wir meist kälteres Wasser – oft mit polarem Ursprung – unter leichterem, wärmeren Wasser liegend.
Wir freuen uns über jede Veränderung im Profil, die wir auf dem langen Weg nach unten erkennen, also Verschiebungen in Temperatur oder Salzgehalt. Diese geben uns wertvolle Informationen über die Verteilung von Wassermassen in unseren Ozeanen. Es ist, als ob sich Puzzleteile zusammensetzen und langsam ein Bild mit vielen Informationen und Schattierungen erscheinen würde.
Auf dem Weg in die Tiefe entscheiden wir, wo und wie viele der 24 Wasser-Schöpfer geschlossen werden. Dieses wird mit den Interessen der Wissenschaftler vorab geklärt. Ein Beispiel: Wenn wir das Wandern von Organismen in der Wassersäule zur Oberfläche hin unter schwachen Lichtbedingungen bearbeiten, werden die Schöpfer in den obersten Schichten auf dem Weg nach oben ausgelöst. Eine Vermessung eines Tiefenprofils bis 4700 Meter dauert etwa drei Stunden. Mit den vielen Netzproben und Licht-Messungen sind wir somit etwa sechs Stunden auf Station.
Die Crew-Mitglieder, die im Windenleitstand die Winde bedienen sowie an Deck mitarbeiten, und die Offiziere, die das Schiff auf Station halten, sind fast noch geduldiger als die Wissenschaftler. Sie konzentrieren sich darauf, dass jeder Meter des Einleiterkabels gut abspult und gleichmassig läuft.
Im Windenleitstand über dem Arbeitsdeck, in kollegialer Schweigsamkeit sitzend, unterbrochen durch kurze Gesprächigkeit, grübelt man über die hereinfließenden Daten aus dem „Deep Blue“. Die Allgegenwärtigkeit und Bedeutung unserer Ozeane ist quasi greifbar.
Nichts ist zufriedenstellender in der messenden Ozeanographie, als von einer hervorragend ausgestatteten Infrastruktur aus arbeiten zu können, gemeinsam mit einer tollen Crew, wunderbaren Lehrern und hoch motivierten Studenten.
Grüße von der Polarstern
Karen Wiltshire, POGO/AWI
Pauhla McGrane, SMART – Chief Instructors NoSoAT Training cruise
