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Nach dem MUC ist vor dem MUC

Bild 4: Blick auf Ny-Ålesund vom Peildeck aus. Foto: Josephine Rapp

Von Katy Hoffmann und Josephine Rapp |

Wir sind seit über zwei Wochen an Bord, mehr als die Hälfte unserer Expeditions-Zeit ist schon rum. In manchen Momenten fühlt es sich an, als wären wir schon eine Ewigkeit unterwegs, in anderen als wären erst ein paar Tage vergangen. Zwischendurch freut man sich auf den Rückflug, dann guckt man raus, sieht die Silhouette Spitzbergens, einer Insel im Nordpolarmeer reich an Fischerei, Bergbau und vor allem Meeresforschung, und kann sein Glück kaum fassen.

Bild 1: Ein Blick auf den Meeresboden aus MUC-Sicht. Foto: AWI Tiefseeforschung

Nach zwei wirklich anstrengenden Arbeitswochen gleich zu Anfang, haben wir beide nun endlich auch ein paar ruhigere Momente. Wenn man auf dem Schiff viel arbeitet und es draußen immer hell bleibt, dann verschwimmen die Tage. Irgendwann sagen einem nur noch die Namen der jeweiligen Mahlzeit, ob es gerade Morgen oder Abend ist. Das tolle hier ist, dass die eigene Arbeit wirklich das einzige ist, auf das man sich konzentrieren muss. Es gibt keine anderen Termine oder Verpflichtungen, keine Treffen mit Freunden oder Telefonate, die man heute unbedingt noch haben muss. Wenn dein Gerät oder deine Probennahme an der Reihe ist, dann kriegst du meist einen Anruf von dem Team, was vor dir an der Reihe war. Einen Weckruf quasi, der dir sagt, dass du jetzt noch so und so viel Zeit hast bis, in unserem Fall: Der MUC ins Wasser geht oder aus dem Wasser rauskommt (Bild 1).

Wie wir schon in unserem ersten Eintrag berichtet haben, wollen wir herausfinden, welche Mikroorganismen im Tiefseesediment häufig sind, wollen verstehen oder zumindest Einblicke bekommen, welche Funktion sie in diesem Ökosystem haben und was mit ihnen geschieht, wenn sich die Umwelt verändert.

Eine spannende Veränderung ist bereits in der Algenzusammensetzung des Oberflächenwassers zu beobachten, wie einige unserer Mitwissenschaftler hier an Bord über die Jahre in intensiver Forschung an unserem Langzeit-Tiefseeforschungsobservatorium HAUSGARTEN festgestellt haben. Gründe hierfür könnten Veränderungen in der Temperatur des Oberflächenwassers oder der Meereisbedeckung sein, die zur Zeit stark im Fokus der Wissenschaft stehen. Von diesen Änderungen an der Wasseroberfläche könnten auch die Mikroorganismen im Sediment beeinflusst werden, die im HAUSGARTEN komplett auf den Nahrungseintrag durch herabsinkendes Material von der Oberfläche angewiesen sind. Zu erforschen wie diese Mikroorganismen reagieren, wie und ob sie sich anpassen, ob neue Gruppen vormals häufige ablösen und wie das die Stoffkreisläufe der Meere beeinflusst, ist Sinn und Zweck unserer Teilnahme an dieser Forschungsreise. Zum anderen wollen wir aber auch einfach eine Art Ist-Zustand abbilden: Welche Mikroorganismen sind da, welche sind aktiv, wie könnte dieses Netzwerk aus Mikroorganismen, im speziellen Bakterien, zusammenarbeiten um die Gemeinschaft und deren Funktion im Sediment zu erhalten? Anhand dieser grundlegenden Forschung lassen sich Unterschiede später besser feststellen und nachvollziehen.

Bild 2: Ein Tag wie aus dem Bilderbuch – spiegelglatte See im Nordpolarmeer. Foto: Katy Hoffmann

Es ist faszinierend und erfüllend, dass man auf dem Schiff nur seine Arbeit hat, auf die man sich voll und ganz konzentrieren kann. In der raren freien Zeit ist es aber auch wunderschön einfach auf das Meer zu gucken und die Sonne zu genießen (Bild 2). Dieses Arbeitspensum kann man so natürlich nur eine bestimmte Zeit durchhalten, weil es die Dinge zwar einfacher macht, aber auch sehr anstrengend ist. Irgendwann ist man dann auch mal platt. Bei uns war das gestern und wir wären am liebsten im Bett liegen geblieben. Da wir versucht haben eine Verankerung zu bergen (Bild 3), die einfach nicht auslösen wollte, und wir so einige Stunden auf Position standen, hat das ganz gut gepasst. Gerade sind wir mitten im Transit – zuerst nach Longyearbyen, dann weiter nach Ny-Ålesund, wo es einen Austausch von Wissenschaftlern und Equipment gibt (Bild 4). Später geht es dann weiter zur nächsten Station, wo schon ein weiterer MUC auf uns wartet…denn nach dem MUC ist vor dem MUC.

Alles in allem bringt auch diese Ausfahrt für uns wieder viele neue Dinge, die es zu lernen und zu verstehen gilt, viele neue Eindrücke die verarbeitet werden wollen und viele neue Sichtweisen auf Themengebiete, die man so vorher nicht kannte und die einen inspirieren, vielleicht bei dem nächsten Forschungsprojekt noch aus einer anderen Perspektive auf seine eigene Fragestellung zu blicken.

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