Erster wissenschaftlicher Flug der PHILEAS Kampagne führt über das östliche Mittelmeer

HALO vor dem Start zum ersten wissenschaftlichen PHILEAS Flug (Foto. C.Rolf/FZJ)

Nach einer knapp vierjährigen Pause geht heute für das Team GLORIA und mich wieder der erste wissenschaftliche Flug einer Messkampagne mit dem Forschungsflugzeug HALO los. HALO steht für „High Altitude and Long Range Research Aircraft“ (also “Forschungsflugzeug für große Höhen und Langstrecke“) und ist ein Forschungsflugzeug mehrerer deutscher Forschungseinrichtungen, betrieben vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Da wir für unsere Messkampagne HALO exklusiv für unsere Forschung zur Verfügung haben, können wir recht frei bestimmen, wie wir einen Messflug gestalten und gezielt in den Luftraum fliegen, der laut atmosphärischer Modelle besonders interessant erscheint.

Die aktuelle Messkampagne PHILEAS (steht für: „Probing High Latitude Export of Air from the Asian Summer Monsoon“) wird vom Forschungszentrum Jülich (FZJ) und der Universität Mainz koordiniert, neben dem KIT (Karlsruher Institut für Technologie) sind außerdem das DLR, das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig (TROPOS), das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz sowie die Universitäten Frankfurt und Wuppertal beteiligt. Für den Betrieb aller beteiligten Instrumente, sowie die wissenschaftliche Planung der Flüge sind etwa 70 Personen im Einsatz. Für PHILEAS werden zunächst Lokalflüge von Oberpfaffenhofen aus durchgeführt, später dann in einer fünfwöchigen Messphase aus Anchorage, Alaska.

Der heutige Messflug zielt auf Luftmassen, die vom Asiatischen Monsun auf Höhen von 12 bis 18 km bis zum östlichen Mittelmeer transportiert wurden. Diese Luftmassen sind typischerweise stark verschmutzt, und unsere Messungen sollen helfen, die genaue Zusammensetzung und damit zusammenhängende Prozesse besser zu verstehen. Als meine dreijährige Tochter mich fragte, warum für uns ein Flugzeug fliegt, habe ich versucht es ihr so zu erklären: „Unser Flugzeug fliegt zu besonders schmutziger Luft. Obwohl man den Schmutz mit den Augen nicht sieht, können wir mit unseren Instrumenten diesen Schmutz messen.“ Das ist natürlich sehr verkürzt und vereinfacht und hat zu vielen „Warum?“-Fragen geführt, fasst aber aus meiner Sicht eines der wichtigen Ziele von PHILEAS in sehr einfachen Worten zusammen.

Ich bin bei PHILEAS Teil des GLORIA Teams. Das Infrarotspektrometer GLORIA ist ein zentrales Messgerät an Bord von HALO, das gemeinsam von Forschenden von KIT und FZJ entwickelt und gebaut wurde. GLORIA ist ein Fernerkundungsinstrument – misst also Luftmassen, die etwas entfernt von HALO sind. Diese Methode ermöglicht eine dreidimensionale tomographische Analyse von Temperatur, Aerosolparametern und Spurengasen in der Atmosphäre. Mit GLORIA konnten wir bereits nachweisen, dass Ammoniakgas in diesen Höhen zur Bildung von Aerosolen führt, die wiederum die Entstehung von Eiswolken, sogenannten Zirren, begünstigen. Wir sind gespannt, ob wir während der PHILEAS Flüge in der vom Monsun transportierten Luft auch Ammoniak und dazugehörige Aerosole messen werden.

In den nächsten Wochen werde ich abwechselnd mit meinen Kollegen Christian Rolf (FZJ) und Wolfgang Woiwode (KIT) in diesem Blog von der PHILEAS Kampagne aus Oberpfaffenhofen und Anchorage berichten.

Kommentar hinzufügen

Verwandte Artikel