SouthTRAC: Die zweite Phase beginnt
Nachdem im September schon 17 wissenschaftliche Flüge der SouthTRAC Kampagne erfolgreich durchgeführt wurden, sind wir nun zusammen mit HALO zurück in Rio Grande für die zweite Phase der Kampagne. Der Transfer von HALO verlief wieder in drei Abschnitten: Von Oberpfaffenhofen nach Kap Verde, von dort nach Buenos Aires und nach einem Tag Pause schließlich nach Rio Grande. Diese langen Flüge in Nord-Süd Richtung sind ein wichtiger Teil der SouthTRAC Messkampagne. Während dieser Transferflüge können in bisher nicht dagewesener räumlicher Auflösung Verschmutzungsgase (z.B. von Waldbränden) gemessen werden, welche wertvolle Erkenntnisse über Quellen und Transportwege dieser Verschmutzungsgase versprechen. Auf den Transferflügen der ersten Phase von SouthTRAC im September wurden der ersten Datenanalyse nach sehr hohe Verschmutzungen gemessen; für die Flüge jetzt im November nach Rio Grande warten wir mit Spannung auf eine erste Analyse der neuen Messdaten.

Diese Datenanalyse der Messungen von GLORIA ist meine hauptsächliche Aufgabe während dieses Teils der Kampagne. Während ich im September die Messungen von Deutschland aus begleitet habe, bin ich nun seit einigen Tagen in Feuerland und habe mich so langsam an diesen für mich neuen Ort gewöhnt. Vor allem der starke Wind in Rio Grande ist für mich eine neue Erfahrung. Und auch meine fehlenden Spanischkenntnisse machen die alltäglichen Dinge, wie Einkäufe oder Restaurantbesuche etwas schwieriger als in Ländern, in denen Englisch in der Bevölkerung weiter verbreitet ist. Doch inzwischen sind in ganz Rio Grande die Wissenschaftler vom Flughafen bekannt und die Menschen, mit denen wir in Kontakt kommen sind alle sehr freundlich und an unserer Arbeit interessiert – das hilft auch über Sprachbarrieren hinweg.
Die Datenauswertung der GLORIA Messungen ist auch eine logistische Herausforderung. Auf einem achtstündigen wissenschaftlichen Flug werden etwa zwei Terrabytes Daten (das würde ca. 400 DVDs füllen) gespeichert, welche vom Bordcomputer kopiert und gesichert werden müssen. Nach dem Kopieren werden die während des Flugs erstellten Kalibrationsmessungen ausgewertet, um dann im nächsten Schritt die Rohdaten zu kalibrieren. Diese kalibrierten Daten sind sogenannte Spektren im thermischen Infrarot (auch bekannt als Wärmestrahlung). Das Ziel der GLORIA Messungen ist es, höhenaufgelöste Profile von Temperatur und Spurengasen zu erhalten. Diese Informationen über Temperatur und Spurengase lassen sich aus den kalibrierten Spektren ableiten: Aus Labormessungen ist bekannt, in welchem Bereich des gemessenen Spektrums welches Spurengas ein Signal liefert. Mit Hilfe dieser Information kann dann auf den Anteil dieser Spurengase am gemessenen Spektrum geschlossen werden. Damit kann die Konzentration der Spurengase in der Atmosphäre bestimmt werden. Wenn man alle GLORIA Messungen eines Fluges zusammen darstellt, erhält man Zeit-Höhen-Schnitte, auf denen man sehr gut die Veränderung der Spurengase auf verschiedenen Höhen nachvollziehen kann.
Heute ist bereits der erste Lokalflug von Rio Grande aus gestartet. Dieser Flug geht mehrmals über Patagonien und den Südatlantik, um Luftmassen aus den Überresten des antarktischen Ozonlochs zu messen. Diese Luftmassen sinken nun während des Frühlings immer weiter ab und erreichen Höhen, die wir mit HALO beproben können. Wie in verschiedenen Medien und in vergangenen Blogeinträgen auch schon berichtet wurde, war der Ozonverlust dieses Jahr ungewöhnlich niedrig. Die Ursache dafür war eine ungewöhnliche Erwärmung der Luft in der Stratosphäre, in etwa 15 bis 30 km Höhe, welche die chemischen Prozesse für die Ozonzerstörung beendet haben. Wir sind daher sehr gespannt, wie sich die Zusammensetzung dieser Luft in dieser für die Antarktis ungewöhnlichen Situation entwickelt hat. Mit GLORIA messen wir neben Ozon auch andere für die Ozonzerstörung relevanten Spurengase, wie Salpetersäure und verschiedene chlorhaltige Substanzen. Durch die hohe räumliche Auflösung von GLORIA erhoffen wir uns neue Erkenntnisse über die Variabilität der chemischen Zusammensetzung eines Luftmassenfilaments, welches nach Norden, in unsere Richtung gewandert ist.
Für die nächsten Tage werden bereits weitere Messflüge geplant. Ein mögliches Ziel ist für Dienstag eine weitere Messung von Luftmassenfilamenten, in denen Ozonzerstörung sattgefunden hat.




