
27. Mai: Zusammen mit 29 Wissenschaftlern aus 11 Forschungsinstitutionen machen wir uns auf den Weg zum Ausgangspunkt der gemeinsamen Forschungsexpedition: die kanadische Metropole Vancouver, an der Westküste des amerikanischen Kontinents gelegen, rund 45 Kilometer nordwestlich der Grenze zu den USA.
28. Mai: Im Lynnterm-Terminal vom Hafen zu Vancouver wartet unser neues Zuhause: die SONNE. Das deutsche Forschungsschiff wurde 2014 in seinem Heimathafen Wilhelmshaven in Dienst gestellt und gehört weltweit zu den modernsten Vertretern seiner Art. Als wir zum ersten Mal das Deck betreten, ist die Vorgänger-Expedition gerade dabei, das Schiff zu räumen, Geräte und Forschungsproben an Land zu hieven. Während der letzten Wochen hatte das Team im Rahmen des europäischen JPI Oceans-Verbundprojektes „MiningImpact“ zum zukünftigen Abbau von Manganknollen in der Tiefsee geforscht – unter der Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel.
Die Neubesiedelung und Entladung der SONNE erfolgen unter strenger Beobachtung durch das US-amerikanische Wappentier… Wie andere Seevögel ist auch der Weißkopfseeadler von der Plastikverschmutzung betroffen. In den Gewöllen der Raubvögel haben Wissenschaftler Plastik gefunden – aufgenommen aufgrund der Verwechslung mit Fischen oder über den Verzehr von Land- und Wassertieren, die ihrerseits bereits Plastik aufgenommen hatten. Erst im April 2019 hatten Medien aus dem nahe gelegenen Seattle berichtet, wie zahlreiche Weißkopfseeadler regelmäßig Plastikgegenstände aus einer Mülldeponie aufsammeln, um sie sodann in vorstädtischen Hinterhöfen wieder abzuwerfen. Ein provokanter Weckruf der Tierwelt gegenüber der menschlichen Spezies?
Ein alter Bekannter kommt an Bord. Anfang April hatten wir den Container in Leipzig mit unseren Gerätschaften bestückt: Katamaran, Marine Snow Catcher, Mesokosmen, … Vom Hamburger Hafen aus war der Container dann auf einem Frachter Richtung Vancouver in See gestochen. Benötigte Reisezeit: vier Wochen. Jetzt muss alles entladen und auf dem Schiff verstaut werden. Alle müssen anpacken – auch das gehört für die Wissenschaftler dazu.
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Für eine letzte Nacht geht es nun noch einmal in unsere Festland-Unterkünfte, bevor wir dann am 30. Mai unsere Kojen auf der SONNE beziehen werden.
