Gewitter, Hagel, Starkregen und Hitzewellen: MOSES startet die Untersuchung von Extremwetterereignissen in Süddeutschland
Extreme Wetterereignisse wie starke Gewitter oder Hitze- und Dürreperioden haben in den letzten Jahren auch in Deutschland zugenommen und verursachen dabei teils große wirtschaftliche und infrastrukturelle Schäden. Die Schwäbische Alb ist aufgrund ihrer komplexen Topographie und geographischen Lage besonders häufig von schweren Gewitterereignissen und ihren Begleiterscheinungen wie z.B. Hagel, Sturmböen und Starkregen betroffen. Ein prominentes Beispiel ist der Hagelsturm von Reutlingen am 28. Juli 2013, der Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu 10 cm hervorbrachte und Schäden von ca. 1 Milliarde Euro verursachte. Die mit den Gewittern einhergehenden kleinräumigen Starkniederschläge können zudem lokale Sturzfluten sowohl in Gebirgsregionen als auch in flächenversiegelten urbanen Bereichen verursachen, die nicht nur zu erheblichen Schäden an der Infrastruktur, sondern auch zu einem massiven Sediment- und Schadstofftransport in Gewässern führen.
Gleichzeitig war die gesamte Region von der Alb bis ins Neckartal aufgrund der extremen Dürreperioden in den Jahren 2018 bis 2020 von historischen Niedrigständen im Grundwasserpegel betroffen. Viele Flüsse zeigten in den Sommermonaten der vergangenen Jahre ein ausgeprägtes Niedrigwasser – Einschränkungen der Schifffahrt und der Wasserentnahme, z.B. zur Bewässerung von Feldern oder zur Kraftwerkskühlung, waren die Folge.
„Deshalb haben wir uns die Region als nächsten Standort für eine umfangreiche MOSES-Kampagne der Arbeitsgruppen Hydrologische Extreme und Hitze / Dürren ausgewählt“, sagt Andreas Wieser vom KIT. Erste Erfahrungen zu derartigen Wetterextrem-Kampagnen konnten die Teams bereits 2019 und 2020 sammeln (u.a. bei den Kampagnen in Fendt und im Müglitztal).

Passend zum jetzigen Kampagnenstart kommt das erste Extremwetter in Form eines für Anfang Mai ungewöhnlichen Sturmtiefs „Eugen“ herangezogen. Mit verschiedenen Messsystemen sind neben dem federführenden Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des KIT auch das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) aus Leipzig, das Forschungszentrum Jülich (FZJ), die Universität Hohenheim, die Eberhard Karls Universität Tübingen, die Technische Universität Braunschweig, das Helmholtz Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der Deutsche Wetterdienst (DWD) beteiligt. Die vom KIT koordinierte Messkampagne läuft bis Mitte September 2021. Das Ziel: Ein besseres Verständnis, wie sich solche Extremwetter entwickeln und welche Folgen sie für die betroffenen Umweltbereiche wie Agrargebiete oder Flüsse haben.
Mehr Informationen zur Kampagne gibt es hier.
(Autor*innen: J. Wilhelm (KIT), U. Weber (UFZ))




