Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 4)

170524_titel (Foto: Ina Frings)
(Foto: privat)

Im Rahmen des Projektes WAKOS (Wasser an den Küsten Ostfrieslands) hat Lisann Frahm im Studiengang B.Sc. Geographie an der Universität Hamburg ihre Bachelorarbeit geschrieben. Darin hat sie einen Klima-Erlebnisrundgang auf der ostfriesischen Insel Norderney konzipiert und durchgeführt. Wir haben uns mit ihr über die Hintergründe unterhalten. Hier ist der vierte und letzte Teil unseres Gesprächs:

Warum richtet sich der Klima-Erlebnisrundgang bisher nur an die Bewohner der Insel?

Für meine Bachelorarbeit war eine Eingrenzung der Zielgruppe nötig. Die Fokussierung auf die Inselbevölkerung ist auf Grundlage der eingangs erwähnten Bevölkerungsbefragung entstanden. Kurz gesagt spiegelte das Ergebnis wider, dass trotz der exponierten Insellage ein relativ geringes Risikobewusstsein gegenüber den Klimawandeleffekten besteht. Die Idee des Erlebnisrundganges ist es, vielleicht in ein paar Jahren ein anderes Ergebnis in einer solchen Befragung erreichen zu können.

Die ostfriesischen Inseln sind, wie man an den weiträumigen Strand- und Dünenabbrüchen der letzten Winter sehen kann, den Kräften der Nordsee stark ausgeliefert. Nur weil die Deiche momentan sicher sind, bedeutet das nicht gleichzeitig auch, dass man gegen alle Klimawandeleffekte gut geschützt ist. Klar, der Meeresspiegel steigt. Das ist vielen Menschen bewusst, aber es ist noch nicht so wirklich sichtbar, da das Watt momentan noch mitwachsen kann. Im Rundgang werden Studien dazu vorgestellt.

Darüber hinaus wird es Hitzeereignisse und Starkregen geben – und das in einer Innenstadt, die durch ihre Struktur und Bebauung nicht auf diese klimatischen Veränderungen ausgelegt ist. Das reicht von fehlenden Versickerungsflächen durch den hohen Versiegelungsgrad über mangelnde Verschattung bis hin zur überlasteten Kanalisation …

Der Rundgang möchte allen Teilnehmern zeigen, dass Klimawandel mehr als Meeresspiegelanstieg oder Temperaturen jenseits der 30 Grad bedeutet und es nicht damit getan ist, die Deiche immer weiter zu erhöhen. Wenn demnach ein Bewusstsein für die Zusammenhänge in der Inselbevölkerung wächst, kann sich vielleicht auch der politische Umsetzungsgeist für Anpassungsmaßnahmen ändern. Denn den braucht es definitiv – viele Maßnahmen müssen auf kommunaler Ebene in die Wege geleitet werden, benötigen politisches Commitment und entsprechende Rahmenbedingungen. Klimawandel ist ein Prozess, der längerer Zeithorizonte, unter anderem für Planung und Umsetzung, bedarf. Ist es da sinnvoll, fortwährend den Status quo beizubehalten oder sollte man zukünftig vielleicht eher mit einer Vision in die Zukunft blicken, die Resilienz gegenüber Klimawandelfolgen forciert?

Unabhängig davon ist die Inselbevölkerung als Zielgruppe erstmal ein Anfang: Der Rundgang möchte als Instrument Klimawissen für diejenigen verständlich und sachlich bereitstellen, die schon seit Jahrhunderten quasi als erste von der Naturgewalt betroffen sind. Das ist der Vorteil einer Ansiedlung meiner Bachelorarbeit im Projekt WAKOS: Obwohl meine Bachelorarbeit abgeschlossen ist, kann das Konzept weiterentwickelt und für andere Zielgruppen geöffnet werden.

Wird sich dieser Rundgang auf Norderney etablieren? Könnte er modifiziert auch als Blaupause für andere Zielgruppen (Besucher der Insel, Schulklassen usw.) dienen?

Oh ja, definitiv. Wie eben schon gesagt, ist das langfristige Ziel, das vom Projekt WAKOS gemeinsam mit Akteuren auf der Insel verfolgt wird, die Etablierung des Rundganges auf der Insel. Das von mir auf Grundlage von expertenbasiertem Feedback in den letzten fünf Monaten seit der Abgabe der Bachelorarbeit überarbeitete Konzept (finalisiert in Form eines Werkstattberichts) ist auf jeden Fall eine Blaupause. In dem Werkstattbericht, der über Frau Anke Wessels am Institut für Geographie an der Uni Hamburg angefordert werden kann, habe ich dem Gedanken zur weiteren Verstetigung des Rundganges ein ganzes Kapitel gewidmet.

Ich finde, es gibt diverse spannende Möglichkeiten, verschiedene Zielgruppen in das Konzept zu integrieren. Dafür braucht es aber vor allem auch Kooperationspartner auf der Insel, die weiter an der Umsetzung arbeiten wollen. In der Hinsicht bin ich sehr glücklich, dass wir bereits das WattWelten Besucherzentrum für das Konzept begeistern konnten. Sie planen, neben der Zielgruppe der Insulaner auch die Inselbesucher zu adressieren.

Außerdem besteht viel Potential in der Realisierung für Schulklassen, egal ob für die Kooperative Gesamtschule auf Norderney oder Schüler, die Norderney im Rahmen einer Klassenfahrt besuchen. Man könnte das Konzept in eine Art Rallye umwandeln, den Lehrkräften die Materialien zur Verfügung stellen und die Inhalte im Unterricht nachbearbeiten. Auch Einrichtungen der Erwachsenenbildung, wie die Volkshochschule, wären interessante Multiplikatoren. Ehrlich gesagt glaube ich, dass es bei den Umsetzungsvarianten wenig Grenzen gibt. Bis zur tatsächlichen Umsetzung müssen wir uns vielleicht noch ein bisschen gedulden, aber ich kann verraten, dass die ersten Schritte auf dem Weg zur Etablierung auf Norderney schon getan sind …

Sonnenuntergang auf Norderney (Foto: Lisann Frahm)

Herzlichen Dank, Frau Frahm, für das intensive Gespräch, das uns einen sehr lebendigen und anschaulichen Einblick in Ihre Forschungsarbeit gegeben hat!

==> Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 1)

==> Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 2)

==> Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 3)

==> Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 4)

==> Zusammenfassung Werkstattbericht

==> Projektseite WAKOS

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