Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 3)

170524_titel (Foto: Ina Frings)
(Foto: privat)

Im Rahmen des Projektes WAKOS (Wasser an den Küsten Ostfrieslands) hat Lisann Frahm im Studiengang B.Sc. Geographie an der Universität Hamburg ihre Bachelorarbeit geschrieben. Darin hat sie einen Klima-Erlebnisrundgang auf der ostfriesischen Insel Norderney konzipiert und durchgeführt. Wir haben uns mit ihr über die Hintergründe unterhalten. Hier ist der dritte Teil unseres Gesprächs:

Was hat Sie persönlich während der Erarbeitung des Klima-Erlebnisrundganges am meisten überrascht?

Bis heute sind mir unter anderem zwei Zitate aus den Interviews besonders im Kopf geblieben: Eine Interviewpartnerin antwortete mir auf die Frage, welche Ort am stärksten durch den Klimawandel betroffen sein würden und warum, dass aus ihrer Sicht die ganze Insel „mittendrin“ liege. Das war gleich im ersten Interview und mich hat diese Aussage sehr bewegt.

Als ich nach dem Gespräch die Karte anschaute, auf der wir während des Interviews Klimawandeleffekte und Wechselwirkungen mit Orten verknüpft haben, wurde mir die enorme Komplexität des Themas bewusst: Kurz gesagt gibt es sowohl auf der Insel selbst als auch in der Deutschen Bucht, also großklimatisch, Wirkungsketten von Triebkräften und Auswirkungen – und die Insel liegt eben wortwörtlich „mittendrin“. Das klingt vielleicht etwas kryptisch, aber ich hoffe man kann erahnen, was ich damit sagen möchte. Ich glaube, am Ende ist genau dieses „mittendrin“ eine Schlüsselaussage, die es so schwer macht, die Komplexität des Themas „Klimawandel“ für eine breite Bevölkerungsgruppe verständlich und greifbar zu machen.

Die zweite überraschende Aussage kam von einer anderen Interviewpartnerin, die mir von einer Begegnung mit einem Insulaner aus Fidschi berichtete. Zusammengefasst sagte er ihr, dass er auf Norderney den gleichen gesellschaftlichen Diskurs und ähnlich gravierende Erosions- und klimawandelbedingte Naturereignisse erkenne wie auf Fidschi bereits vor 30 Jahren. Allerdings würden Norderney keine 30 Jahre zum Anpassen bleiben und die Inselgesellschaft stehe vor großen Herausforderungen. Er äußerte sich skeptisch, ob man dem gewachsen sei.

Wenn man bedenkt, dass Inselstaaten wie Fidschi große Erfahrungen mit der Anpassung an Klimawandeleffekte haben, stimmt mich diese Einschätzung sehr nachdenklich. Auf der anderen Seite sehe ich in einem internationalen Austausch wie diesem auch großen Mehrwert, der vielleicht auch ein Treiber für Klimahandeln, sowohl im Sinne von Klimaschutz als auch von Klimaanpassung, sein kann. Dennoch, die schiere Deutlichkeit dieser zwei Aussagen haben mich während meines Arbeitsprozesses immer wieder motiviert und zeigen, dass wir im Prinzip noch am Beginn des Prozesses zu einer reellen Risikowahrnehmung stehen.

Wie fiel das Feedback bei Ihrer ersten Durchführung des Klima-Erlebnisrundgangs auf Norderney aus?

Im September 2023 habe ich mein Konzept als Generalprobe und für die Evaluation innerhalb der Bachelorarbeit erstmalig mit interessierten Insulanern durchgeführt. Wir hatten traumhaftes Wetter, die Vorzeichen standen also schon mal super. Ich war begeistert, dass meine Zeiteinschätzung von zweieinhalb Stunden für die Hauptroute als geführte Tour fast haargenau eingetroffen ist. Es blieb trotzdem genug Zeit für einen lebhaften Austausch, Fragen und Anekdoten der Teilnehmenden. Gerade letzteres hat den Rundgang meiner Meinung nach extrem bereichert.

Im Feedback wurde hervorgehoben, dass gerade die verständliche Einordnung von Klimawandel im Kontext des Alltagsumfeldes gut gelungen sei. Die kompakte Aufarbeitung von wissenschaftlichen Inhalten erleichtert das Verständnis für den Zusammenhang von Klima, Wasser, Erderwärmung und der Insel. Diese Aussagen in meinem Feedbackbogen erfüllen, wie ich finde, schon sehr viele Hoffnungen. Die Teilnehmenden gaben mir außerdem mit auf den Weg, dass sie sich über eine Alternative zur Fortbewegung, beispielsweise mit dem Fahrrad, sowie für schlechteres Wetter wünschen würden. Auch die frühzeitige und altersgerechte Vermittlung an Kinder, zum Beispiel schon in der Grundschule, lag den Teilnehmenden am Herzen. Dieses Feedback habe ich mit in die Evaluation meiner Arbeit und in das Brainstorming mit Akteuren auf der Insel aufgenommen.

Wellenbrecher auf der Promenade (Foto: Ina Frings)

 

==> Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 1)

==> Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 2)

==> Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 3)

==> Klima-Erlebnisrundgang auf Norderney (Teil 4)

==> Zusammenfassung Werkstattbericht

==> Projektseite WAKOS

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