Den Klimawandel im Schlepp
Grundschleppnetze befördern die Klimaerwärmung und beeinflussen marine Ökosysteme

Fischerei-Schleppnetze verursachen erhebliche CO2-Emissionen, da sie den im Meeresgrund gebunden Kohlenstoff stark aufwirbeln und so wieder freisetzen. Zudem ist offenkundig, dass sie auch Ökosysteme im Ozean drastisch beeinflussen. Eine neue Studie des Helmholtz-Zentrums Hereon modelliert den Einfluss von Grundschleppnetzen auf sedimentären Kohlenstoff in der Nordsee. Sie zeigt außerdem: Einschränkungen der Fischerei in bestimmten Gebieten kämen dem Leben im Ozean und an Land zugute.
Was würde passieren, wenn Grundschleppnetzfischerei in allen derzeit ausgewiesenen Meeresschutzzonen verboten wäre? Die Schleppnetze verursachen in der Nordsee durch das Aufwirbeln von organisch gebundenem Kohlenstoff, jährlich CO2-Emmissionen in der Größenordnung von einer Million Tonnen die in die Atmosphäre gelangen. „Das ist im Vergleich zu anderen Studien zurückhaltend geschätzt und entspricht den Emissionen der Dieselmotoren der Fischereiflotte selbst“, sagt Küstenforscher und Erstautor Dr. Lucas Porz vom Institut für Küstensysteme – Analyse und Modellierung am Hereon. Aktuelle Meeresschutzzonen hätten nur geringen positiven Einfluss auf Kohlenstoffspeicher. Doch durch die Ausweisung von „Kohlenstoffschutzzonen“ könnten sowohl sedimentärer Kohlenstoff als auch Lebensräume effektiv geschützt werden.
Porz und sein Team sichteten zuerst alle verfügbaren Daten und Studien zur Fischereiaktivität in der Nordsee und deren Einfluss auf Sedimente und am Boden lebende Tiere wie Garnelen und Muscheln. Diese Effekte wurden in Computermodelle eingefügt, die die Verteilung von Tieren, Sedimenten, und organischem Kohlenstoff und ihre Wechselwirkung mit den Meeresströmungen simulieren. Durch den Vergleich der Simulationen mit und ohne Grundschleppnetzfischerei konnten die Forschenden den Einfluss abschätzen. Um die Auswirkungen möglicher Managementmaßnahmen zu untersuchen, verteilten sie die Fischereiaktivität im Modell so um, dass sie potenziellen Verbotszonen in umliegende Gebiete ausweicht.
„Die Grundschleppnetzfischerei in der Nordsee wird seit mehr als 100 Jahren intensiv praktiziert und es ist daher schwer zu sagen, wie genau das Ökosystem dadurch bereits verändert wird“, fügt Porz hinzu. Ob es zum Beispiel auch positive Ökosystemauswirkungen durch die Grundschleppnetzfischerei geben könnte, etwa durch erhöhte Verfügbarkeit von Nährstoffen in der Wassersäule, wird gegenwärtig am Hereon untersucht. Man wisse aber, dass etwa ein Fünftel der Meeresbodenbewohner den Kontakt mit einem Grundschleppnetz nicht überleben. Laut seiner Studie würde es ohne Grundschleppnetzfischerei rund 14 Prozent mehr Tiere am Meeresboden geben. Außerdem werden die Habitate durch die Fanggeräte verändert. Schlickgründe sind stärker betroffen als Sandgründe, da das Fanggerät in Schlick tiefer eindringt und es länger dauert, bis es sich erholt hat. Auch die Zusammensetzung der am Meeresboden lebenden Gemeinschaften verändert sich. (Quelle Hereon Pressemitteilung)
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Porz, L., Zhang, W., Christiansen, N., Kossack, J., Daewel, U., & Schrum, C. (2024): Quantification and mitigation of bottom-trawling impacts on sedimentary organic carbon stocks in the North Sea. Biogeosciences, 21, 2547–2570, doi:10.5194/bg-21-2547-2024
Abstract:
The depletion of sedimentary organic carbon stocks by the use of bottom-contacting fishing gear and the potential climate impacts resulting from remineralization of the organic carbon to CO2 have recently been heavily debated. An issue that has remained unaddressed thus far regards the fate of organic carbon resuspended into the water column following disturbance by fishing gear. To resolve this, a 3D-coupled numerical ocean sediment macrobenthos model is used in this study to quantify the impacts of bottom trawling on organic carbon and macrobenthos stocks in North Sea sediments. Using available information on vessel activity, gear components, and sediment type, we generate daily time series of trawling impacts and simulate 6 years of trawling activity in the model, as well as four management scenarios in which trawling effort is redistributed from areas inside to areas outside of trawling closure zones. North Sea sediments contained 552.2±192.4 kt less organic carbon and 13.6±2.6 % less macrobenthos biomass in the trawled simulations than in the untrawled simulations by the end of each year. The organic carbon loss is equivalent to aqueous emissions of 2.0±0.7 Mt CO2 each year, roughly half of which is likely to accumulate in the atmosphere on multi-decadal timescales. The impacts were elevated in years with higher levels of trawling pressure and vice versa. Results showed high spatial variability, with a high loss of organic carbon due to trawling in some areas, while organic carbon content increased in nearby untrawled areas following transport and redeposition. The area most strongly impacted was the heavily trawled and carbon-rich Skagerrak. Simulated trawling closures in planned offshore wind farms (OWFs) and outside of core fishing grounds (CFGs) had negligible effects on net sedimentary organic carbon, while closures in marine protected areas (MPAs) had a moderately positive impact. The largest positive impact arose for trawling closures in carbon protection zones (CPZs), which were defined as areas where organic carbon is both plentiful and labile and thereby most vulnerable to disturbance. In that scenario, the net impacts of trawling on organic carbon and macrobenthos biomass were reduced by 29 % and 54 %, respectively. These results demonstrate that carbon protection and habitat protection can be combined without requiring a reduction in net fishing effort.




