Forschungsaufenthalt in Kanada
Beitrag (Text und Fotos) von Anna Przibilla, Abteilung Anorganische Umweltchemie
Seit Ende Oktober bin ich wieder zurück in Norddeutschland von meinem Forschungsaufenthalt in Kanada. Es waren intensive und lehrreiche Wochen auf der anderen Seite des Globus. Ich bin bereits die dritte Wissenschaftlerin des Instituts für Umweltchemie des Küstenraumes, die im Rahmen eines Forschungsaufenthalts die Gruppe von Prof. Michael Wieser an der University of Calgary in Kanada besucht hat. Die Arbeitsgruppe zählt zu den erfahrensten weltweit, wenn es um die Isotopenanalytik von ausgewählten Elementen wie Molybdän geht.
Nachdem meine Proben schon einige Wochen vorher die Reise nach Kanada angetreten hatten, bin ich am 7. September ebenfalls nach Calgary geflogen. Am Flughafen wurde ich nach langwieriger Ausstellung der Arbeitserlaubnis herzlich von Prof. Michael Wieser in Empfang genommen.

Am nächsten Morgen ging es direkt mit der Laborarbeit los. Nach der obligatorischen Sicherheitseinweisung haben wir begonnen, die in dem Labor etablierte Methode zur Analyse von Molybdänisotopen für meine Proben anzupassen. Die Einstellungen des Massenspektrometers passten zum Glück, sodass am Gerät selbst wenig geändert werden musste. Allerdings hielten meine Proben ein paar Herausforderungen für mich bereit. Da für die Messung möglichst nur das reine Molybdän in das Messgerät gelangen sollte, mussten die restlichen Bestandteile meiner mitgebrachten Meerwasserproben und Sedimentaufschlüsse chemisch mit Hilfe von Säulenchromatographie abgetrennt werden.

Meine Sedimentproben aus der Nordsee enthielten so große Mengen Eisen, dass ich auf größere Säulen umsteigen musste, um das Eisen vollständig abtrennen zu können. Dadurch dauerte die Aufreinigung für jeden Probensatz ca. 17 Stunden aufgeteilt auf zwei Tage. Einen Vorteil gab es jedoch: Eisenchlorid ist in Lösung wunderschön gelb, sodass ich auf der Säule immer genau sehen konnte, wo meine Probe sich gerade befand!
Kaum waren die Probleme mit der Trennmethode gelöst, mussten wir am Messgerät doch noch ein Ersatzteil tauschen. Angesichts des engen Zeitplans und meiner langen Probenliste machte sich an dieser Stelle doch ein wenig der Zeitdruck bemerkbar. Glücklicherweise konnte das Ersatzteil schnell geliefert werden und ich konnte anschließend ohne weitere Störungen meine Proben nach und nach trennen, messen und die Daten auswerten.

Natürlich war an manchen Wochenenden auch noch Zeit, die Stadt und umliegende Natur zu erkunden. Die Arbeitsgruppe in Kanada hat mich sehr nett aufgenommen, wir waren zusammen in den Rocky Mountains wandern, im Akrobatik-Zirkus und haben Pizza gebacken. Zeitgleich mit mir war auch Anika Retzmann im Labor, die 2015 ihre Masterarbeit am Hereon angefertigt hat und aktuell als Post Doc in der Arbeitsgruppe von Michael Wieser in Kanada arbeitet – die Welt ist doch ganz schön klein.
An zwei Tagen bin ich auf eigene Faust in die Rockies gefahren – nach Canmore, Banff und an den Lake Louise. In der Reihenfolge der Aufzählung nahm auch die touristische Beliebtheit der Ausflugsziele zu. Da ich meistens bei typisch norddeutschem Wetter unterwegs war, hielten sich die Menschenmengen dennoch in Grenzen. Auf kleinen Nebenwegen konnte man wunderbar Streifenhörnchen und Pfeifhasen beobachten und den Ausblick genießen. In den Bergen haben mich vor allem die Farben begeistert. Selbst bei grauem Niesel-Schneeregen-Wetter leuchten die Seen noch türkis und blau und das Laub in wunderschönen goldgelben Farben. Kurz vor meiner Abreise gab es den ersten Schnee, vermutlich mehr, als wir in Geesthacht den gesamten Winter haben werden.

Zurück in Geesthacht steht die weitere Auswertung der Daten auf dem Programm, die uns wichtige zusätzliche Informationen für das CARBOSTORE Projekt liefern wird. Die Ergebnisse der Molybdän-Isotopenverhältnisse geben uns einen Einblick in die im Sediment des Skagerrak vorherrschenden Redoxbedingungen und ergänzen die am Hereon generierten Stickstoffisotopen-, Multielement- und Nährstoffwerte wunderbar. Die Daten fließen in Form einer gemeinsamen Publikation mit den Kolleginnen und Kollegen aus Kanada zusätzlich in meine Promotionsarbeit zu Wechselwirkungen zwischen Stickstoffumsatzprozessen und Metallen ein.
Die in Kanada angewandte Methode zur Bestimmung der Molybdänisotopenverhältnisse benötigt hochreine Isotopenstandards und muss zeitintensiv validiert und kalibriert werden. Auf die Expertise und Ausstattung an der University of Calgary in Michael Wiesers Labor zurückgreifen zu können, war daher für meine Arbeit von großem Wert. Insgesamt habe ich in den sieben intensiven Wochen viele neue Erfahrungen in der Isotopenanalytik sammeln können, die wir versuchen wollen, am Hereon in unsere Arbeit einzubauen. Es ist immer bereichernd, sich andere Arbeitsweisen anzuschauen. In Kombination mit der atemberaubenden Natur und den für uns Norddeutsche doch sehr unbekannten Landschaften kann ich einen Forschungsaufenthalt in Kanada nur empfehlen!
Hier noch einige schöne Impressionen aus den beeindruckenden Rocky Mountains:








