Teilnahme an der Expedition „Ocean Change 2023“

080923_oc2023_af_titel (Foto: Arved Fuchs)

Ann-Cathrin Rohrweber hatte die einmalige Gelegenheit, mit dem deutschen Polarforscher Arved Fuchs unterwegs auf der Expedition „Ocean Change 2023“ zu sein. Hier nimmt sie die Leser mit auf eine ganz besondere Forschungsreise auf einem traditionellen Segelschiff. Wir bedanken uns ganz herzlich, dass sie uns daran teilhaben lässt und bei Arved Fuchs für die Erlaubnis, die Fotos zeigen zu dürfen.

Beitrag von Ann-Cathrin Rohrweber, Abteilung Anorganische Umweltchemie

(Copyright bei allen Fotos liegt bei Arved Fuchs)

Mein Start auf der „Dagmar Aaen“ war eine Feuertaufe, denn die sechs bis sieben Windstärken genau gegenan sorgten für eine überaus ruppige Überfahrt von Südnorwegen nach Schottland. Das Schiff wurde als „sehr agiler“ dänischer Fischkutter für die Nordsee gebaut, ich hingegen habe unter diesen Bedingungen meine ersten drei Tage auf See größtenteils in meiner Koje liegend oder auf der Leeseite (!) an der Reling verbracht. Dieses „Einschaukeln“ hatte ich bewusst einkalkuliert und in dieser Zeit kümmerten sich die bereits seefesten Crewmitglieder um die Seekranken sowie auch um das Aussetzen der letzten beiden Drift-Bojen des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW).

Mit Ankunft in schottischen Gewässern – und gestähltem Magen – konnte dann meine Probennahme starten. Insgesamt 42 Flaschen sollte ich mit Oberflächenwasser füllen, damit später im Labor der Abteilung „Mariner Kohlenstoffkreislauf“ die beiden Parameter gelöster anorganischer Kohlenstoff (DIC) und Alkalinität gemessen werden können. Wichtig dabei: Es dürfen keinerlei Gasblasen in den Flaschen sein, was je nach Bewegung des Schiffes nicht unbedingt einfach ist.

Die Route führte in meinen vier Wochen an Bord durch ein anspruchsvolles Seegebiet: Zwischen dem schottischen Festland und den Orkney Inseln herrschen in der Meerenge „Pentland Firth“ Gezeitenströme von bis zu zwölf Knoten und „Dagmar Aaens“ übliche Reisegeschwindigkeit beträgt rund sechs Knoten. Bei einem Tidenhub von mehr als fünf Metern müssen im Hafen auch nachts regelmäßig die Festmacherleinen auf ihre Spannung kontrolliert werden und der Meeresstrudel „Corryvreckan“ kann bei ungünstigen Bedingungen für kleinere Schiffe sehr gefährlich werden. Also hieß es, die Route und auch die Stationen dementsprechend zu planen, wenn es sein muss, um 3 Uhr nachts abzulegen und leider nicht von allen gewünschten Stellen Proben zu bekommen. Das sind eben auch die Grenzen eines „ship of opportunity“, bei dem sich die Wissenschaft dem normalen Fahrbetrieb unterordnet.

Das Besondere war außerdem, dass ich als Wissenschaftlerin zugleich vollwertiges Mitglied der 10-köpfigen Crew war, die ansonsten aus Freiwilligen bestand. Einige der Pflichten, die dazugehörten: Zweimal täglich je vier Stunden „Wache gehen“ und das Schiff in dieser Zeit fahren, die Segel bedienen, Schiffsarbeiten wie lackieren und teeren im Hafen, putzen, abwaschen, Gemüse schnippeln. Und als unser Smut nach Ende seiner Urlaubszeit von Bord gehen musste, übernahm ich zusammen mit einem anderen Crewmitglied zusätzlich noch die Proviantplanung und das Brotbacken.

Die atemberaubende Natur Schottlands durften wir bei bestem Wetter genießen, während es in Deutschland aus Eimern schüttete. Auf See begegneten wir Delfinen und Zwergwalen, die Inseln zogen an uns vorüber und einige Orte konnten wir auch zu Fuß kennenlernen. Die abgelegene Insel North Rona, beispielsweise, ist seit den 1830er Jahren nicht mehr von Menschen, sondern nur noch von Papageientauchern, verschiedenen Möwenarten und Kegelrobben bewohnt – was für eine einmalige Gelegenheit, hier nach den Messungen noch kurz mit dem Dinghi an Land zu fahren und die Insel zu erkunden! Auch der schottischen Kultur mussten wir natürlich gebührende Ehre erweisen und so wurde beschlossen, vor der Insel Islay zu ankern und eine ihrer zahlreichen und berühmten Whisky-Destillerien zu besuchen. Auf Orkney haben wir zudem Steinkreise und eine neolithische Siedlung besichtigt.

Gegen Ende meiner Zeit an Bord arbeitete ich noch meine Nachfolge ein, sodass Marie Zingsheim von der Uni Bonn und Dr. Eberhard Sauter vom AWI nach meiner Abreise die verbleibenden sechs leeren Flaschen füllen konnten. Nun heißt es, auf die Rückkehr des Schiffes zu warten und die Proben dann in Flensburg abzuholen. Die Messungen des OceanPacks, das durchgehend das Oberflächenwasser analysiert, sowie die Profile aller CTD-Messungen sind bereits jetzt als Rohdaten online zu finden und mehr Geschichten aus dem Bordalltag gibt es auf der Website von Arved Fuchs.

==> Rohdaten der Ocean Change 2023 Kampagne

==> Expeditions-Logbuch der Ocean Change 2023

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