Küstenforschung

Sonderausstellung im Ostfriesischen Landesmuseum Emden

Das Ostfriesische Landesmuseum in Emden hat sich auf Spurensuche des 1952 verschollenenen Frachters “Melanie Schulte” begeben und widmet diesem Mythos eine Sonderausstellung, die noch bis 28. Januar 2024 läuft. Eine der Spuren lässt eine Havarie in schwerer See vermuten, zu der die wissenschaftlichen Aspekte bei unseren Kollegen Dr. Ina Teutsch und Dr. Nikolaus Groll aus der Abteilung Küstenklima und regionale Meeresspiegelveränderungen angefragt wurden. Dr. Ina Teutsch war am 05.03.2023 zu einem Gespräch eingeladen und schildert ihre Eindrücke von der Veranstaltung:

Das Frachtschiff “Melanie Schulte” ist kurz vor Weihnachten 1952 unter ungeklärten Umständen verschwunden. Später wurden nur noch Wrackteile und ein Rettungsring angespült. Die derzeit laufende Sonderausstellung „MELANIE SCHULTE- Schiff, Unglück, Mythos“ im Ostfriesischen Landesmuseum Emden beschäftigt sich mit der Geschichte des Schiffs und möglichen Ursachen für sein Verschwinden.

Im Rahmen der Ausarbeitung der Ausstellung wurden wir von der Museumsdirektorin mit der Anfrage kontaktiert, ob das Seegebiet westlich der Hebriden (Schottland), aus dem sich die “Melanie Schulte” zuletzt gemeldet hatte, grundsätzlich gefährlich sei. Oder genauer: Könnte ein solcher Unfall in diesem Seegebiet auch heute noch passieren?

Nikolaus Groll hat daraufhin Wassertiefen, Wind- und Wellencharakteristika am Ort und zur Zeit des Unfalls der “Melanie Schulte” aus dem Wellenmodell WAM ausgelesen. Auf der Grundlage dieser Analyse und eines Gutachtens des Seewetteramtes aus dem Jahr 1953 habe ich mit dem Fokus auf extreme Einzelwellen die Wahrscheinlichkeiten der Wellenhöhen bestimmt, auf die die “Melanie Schulte” in ihren letzten Tagen getroffen sein könnte.

In Folge der Studie, die dem Museum übergeben wurde, nahm ich am 05.03.2023 an einem Podiumsgespräch mit dem Moderator Edzard Wagenaar im Ostfriesischen Landesmuseum Emden teil. Diese Gespräche finden jeden ersten Sonntag im Monat statt, solange die Ausstellung läuft. Jedes Mal wird ein anderer Aspekt im Zusammenhang mit dem Schiff und seinem Unfall beleuchtet –  dieses Mal sollte die Wissenschaft befragt werden. Vor etwa 80 interessierten Zuhörern berichtete ich von der Studie mit Erläuterungen, wie Wellen entstehen und welche Gefahren sie für Schiffe bergen können. Im Publikum befanden sich mehrere erfahrene Seeleute, die die physikalischen Erklärungen mit ihren Schilderungen lebendig werden ließen. Dadurch wurde die Veranstaltung zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Im Anschluss an das Gespräch gab es eine gemeinsame Führung durch die Sonderausstellung, bei der weitere Fragen gestellt werden konnten.

 

(Mit Dank für die freundliche Erlaubnis zur Verwendung der Fotos)

Wer sich für “Monsterwellen” interessiert, findet in folgenden Beiträgen weitere Informationen:

==> Wie entstehen Monsterwellen?

==> Von Monsterwellen oder “Big Waves”

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