Unterschiedliche Reiserouten

090123_titel (Foto: Marco Schacht / Hereon)

Werden Flaschenposten, die zur selben Zeit ausgesetzt werden, dieselbe Reiseroute nehmen und dasselbe Ziel erreichen? Sofern die Flaschen in ihren Merkmalen gleichartig sind, könnte man davon ausgehen. Doch wir konnten eine erstaunliche Erfahrung machen. Anlässlich unserer „Forschung vor Anker“ Tour in 2019 hatten die Besucher in Lauterbach auf Rügen an Bord der „Ludwig Prandtl“ die Gelegenheit, selbst Flaschenposten zu gestalten. Diese wurden gesammelt und bei der nächsten Überfahrt von unseren Kapitänen am 15.07.2019 zwischen Rügen und Bornholm ausgesetzt (Farewell!).

Von 27 ausgesetzten Flaschen haben wir zwischen 2019 und 2021 insgesamt 10 Fundmeldungen erhalten. Überraschend war die Verteilung der Fundorte in der Ostsee:

© OpenStreetMap-Mitwirkende (CC BY-SA), www.openstreetmap.org/copyright

 

Wie lässt sich diese weiträumige Verteilung der Flaschenposten erklären? Bei diesen Driftflaschen sind nur die Abwurf- und Endpositionen bekannt, und nur der Zeitpunkt der Entdeckung kann zur Schätzung der Driftzeiten herangezogen werden. Aus wissenschaftlicher Sicht und möglicherweise auch für die breite Öffentlichkeit stellt sich die Frage, ob Modellinstrumente, wie sie im Rahmen von Dienstleistungen für die Öffentlichkeit eingesetzt werden, die in diesem Fall beobachtete große Streuung erklären können oder nicht. Dr. Ulrich Callies und Prof. Dr. Hans von Storch sind dieser Frage in einer nun veröffentlichten Studie nachgegangen.

Callies, U., & von Storch, H. (2022): Extreme separations of bottle posts in the southern Baltic Sea – tentative interpretation of an experiment-of-opportunity. Oceanologia, 2022, ISSN 0078-3234, doi:10.1016/j.oceano.2022.11.004

Abstract:

During an experiment-of-opportunity in July 2019, 27 drift bottles were released in the southern Baltic Sea. Ten of these bottles were found and reported at locations that were surprisingly widespread. In this study, we explore the chances to reproduce these findings with a numerical drift model. While trajectories may be considered as completely deterministic, in practice their prediction as well as reconstruction has a strong stochastic component, because of ubiquitous gradients on even the smallest scales. We illustrate different aspects of uncertainty including specification of leeway, random dispersion, and stretching along Lagrangian coherent structures. By and large, the results of numerical ensemble simulations seem to be in reasonable agreement with the observational evidence available. Some drift bottle findings suggest a bias in simulations, but without knowing the drift bottles’ full drift paths, a basis for more detailed model tuning is missing.

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