Die Sturmsaison geht bis Ende März

280918_titel (Foto: Ina Frings)

Der Monat Februar 2022 ist mit den drei aufeinander folgenden starken Stürmen schon außergewöhnlich gewesen. Drohen weitere Stürme in der aktuellen Sturmsaison, die noch bis Ende März geht? Welche Aussagen lassen sich zu den letzten Stürmen treffen, wenn man sie in den Kontext einer Zeitreihe der letzten Jahrzehnte setzt? In zwei Podcasts spricht die Klimaforscherin Dr. Frauke Feser, Teamleiterin „Themenkoordination Stürme“ in der Abteilung Klimaextreme und Impacts darüber.

 

Screenshot br.de

==> TAGESTICKET – DER FRÜH-PODCAST des Bayerischen Rundfunks am 22.02. mit Julia Zöller  (ab Minute 3:36 bis 11:25)

Nach der aktuellen Sturmserie erfolgt eine detaillierte Analyse und Einordnung in den historischen Zusammenhang einer Sturmstatistik über die letzten 140 Jahre. Bereits jetzt ist die Einschätzung, dass der Februar schon über der durchschnittlichen Sturmaktivität liegt. In Norddeutschland gab es bereits doppelt so viele Stürme wie normalerweise erwartet werden. “Zeynep” ist ein Sturm, der nur ca. alle 4 Jahre erwartet wird. Die aktuelle Sturmsaison wird über dem Durchschnitt liegen, sie war bereits bisher deutlich aktiver. Die Klimaforschung sieht anhand der Statistiken Schwankungen in den Jahrzehnten: In den 1960er bis 1990er Jahren gab es einen Anstieg der Sturmtätigkeit, danach folgte ein Abfall, mittlerweile sind die Sturmaktivitäten auf einem durchschnittlichen Niveau. Deshalb ist momentan keine Zuordnung zum Klimawandel möglich, weil Messdaten nicht weit genug in die Vergangenheit reichen.

 

Screenshot audionow.de

==> WIEDER WAS GELERNT – Stürme werden weniger, aber dafür heftiger NTVPodcast am 23.02. mit Kevin Schulte

Mit einer derartigen Sturmlage in der Wintersaison von mehreren aufeinander folgenden starken Stürmen kann man ca. alle 5 bis 10 Jahre rechnen. Die Stärke der letzten 3 Stürme waren deutlich schwächer im Vergleich mit Stürmen aus den Jahren 1967, 1972, 1976, 1999 und 2007, deren Windstärken über 200 km/h in der Spitze, teilweise sogar darüber lagen. Selbst “Zeynep”, der am Leuchtturm “Alte Weser” einen neuen Rekord mit 162 km/h erreichte, wird vom Deutschen Wetterdienst nicht als historischer Orkan eingeordnet für Deutschland. Was im europäischen Raum anders aussieht – auf der Isle of Wight wurde ein neuer britischer Rekord mit Windböen über 200 km/h gemessen. Wettermodelle für die Zukunft deuten eher auf weniger, aber dafür umso heftigere Stürme hin. Das liegt an zwei gegensätzlichen Mechanismen: Einerseits erwärmen sich die polaren Regionen deutlich stärker als die äquatorialen Regionen durch den Klimawandel. Andererseits wird durch die Erderwärmung deutlich mehr Wasserdampf in der Atmosphäre gespeichert, so dass Stürme mehr Energie aufnehmen können und dadurch stärker werden.

 

In beiden Podcasts wird der Sturmmonitor des Helmholtz-Zentrums Hereon erwähnt, der als interaktives Tool dem Benutzer zahlreiche Einblicke in das Sturmgeschehen bietet. Er informiert über das Sturmklima der Gegenwart und Vergangenheit in verschiedenen Regionen Deutschlands. Dafür werden tagesaktuell Messwerte des Deutschen Wetterdienstes ausgewertet und mit eigenen langfristigen Statistiken verglichen. Somit kann eine Einschätzung erfolgen, ob aktuelle Sturmereignisse oder die aktuelle Sturmsaison ungewöhnlich stark im Vergleich zu früher sind.

==> Sturmmonitor

Kommentar hinzufügen

Verwandte Artikel