Herzlichen Glückwunsch!

Mitarbeiter (Foto: Christian Schmid / HZG)

Am 21.12.2020 hat Marcel Ricker erfolgreich seine Dissertation mit dem Titel “On the Dynamics of Floating Marine Litter in the North Sea” verteidigt. Wir gratulieren ganz herzlich! Außerdem freuen wir uns sehr, dass Marcel uns sehr anschaulich von seiner Arbeit mit einem begleitenden Appell erzählt:

Im Dezember 2020 konnte ich erfolgreich meine Dissertation verteidigen, welche ich an der Universität Oldenburg verfasst habe. Dabei wurde ich von der Abteilung Hydrodynamik und Datenassimilation am HZG tatkräftig unterstützt. Auch wenn die Disputation unter Corona-Bedingungen stattfand, d.h. alle Anwesenden saßen zu Hause, möchte ich dieser Stelle einen Vorteil dieser doch oft erschwerenden Bedingungen hervorheben: Durch die online Übertragung konnten unerwartet viele Zuschauer teilnehmen; vermutlich mehr als unter normalen Bedingungen. Dafür möchte ich mich recht herzlich bei Allen bedanken.

Die Dissertation trägt den Titel „On the Dynamics of Floating Marine Litter in the North Sea“ und wurde im Rahmen des Projekts „Macroplastics Pollution in the Southern North Sea – Sources, Pathways and Abatement Strategies“ angefertigt. Ziel des Projekts war die interdisziplinäre Erforschung des Plastikmüllproblems in der südlichen Nordsee. Ich habe in der von Prof. Dr. Emil V. Stanev geleiteten Arbeitsgruppe an der großskaligen numerischen Modellierung der Nordsee gearbeitet. Die Modellierung der Nordsee diente wiederum als Grundlage für die lagrangesche Simulation von marinem Müll, d.h. der Simulation von einzelnen virtuellen Müllobjekten. In dieser Arbeitsgruppe haben wir versucht, die signifikanten Wissenslücken im Bereich der Müllsimulation in der Nordsee zu schließen. Diese Aufgabenstellung steckte zugleich auch den thematischen Rahmen meiner Dissertation ab.

Es konnte gezeigt werden, dass es auf dem gesamten europäischen Nordwestschelf nur wenige, aber dafür sehr markante Müllansammlungsgebiete auf der Meeresoberfläche gibt. Die Hauptursache dafür sind thermohaline Fronten, welche durch scharfe Temperatur- und/oder Salzgehaltsgradienten gekennzeichnet sind. Diese Fronten führen zu länglichen Müllansammlungen, beispielsweise in der Irischen See, im Ärmelkanal, aber auch in der Deutschen Bucht. Weiterhin gibt es im Skagerrak eine permanente zirkuläre Strömung, die Müll für eine längere Zeit festhalten kann. Dabei kann dieser auf den Meeresboden sinken. Ziel war es auch, den Einfluss von verschiedenen physikalischen Prozessen auf die Ansammlungsgebiete zu zeigen, wobei die vorherrschenden Westwinde den größten Einfluss hatten.

Ebenfalls Gegenstand meiner Untersuchungen waren die Wechselwirkungen von barotropen Gezeiten und mesoskaligen Prozessen mit Fokus auf den tiefen Ozean, der das Nordwestschelf umgibt. Dabei hat sich herausgestellt, dass diese Wechselwirkungen erheblichen Einfluss auf lagrangesche Simulationen haben. Auch extreme Ostwindereignisse haben erheblichen Einfluss auf die Verdriftung von marinem Müll; und das sogar bis in Tiefen von mindestens 35 m. Diese Ostwindereignisse treten zwar nur etwa alle 10 Jahre auf, doch zum Glück waren wir während eines solchen Ereignisses auf dem Forschungsschiff “Heincke” unterwegs und konnten erstmals wertvolle Messdaten sammeln. Diese zeigen, dass wohl nicht nur der Einfluss auf marinen Müll groß ist, sondern auch auf biogeochemische Prozesse.

Meine Schlussfolgerungen sind, dass es schwer bis unmöglich sein wird, bereits in der Nordsee befindlichen Müll wieder zu entfernen, da die Ansammlungsgebiete sehr variabel in Ort und Zeit sind. Sollte es doch einmal entsprechende Maschinen geben, können meine Methoden also als eine Art Tool dienen, um deren optimale Positionen zu bestimmen. Weiterhin scheint es, dass ein Großteil des von uns Deutschen in die Nordsee eingebrachten Mülls auch an unseren eigenen Küsten anlandet. Der Teil, der nicht bei uns ankommt, wird entweder an skandinavischen Küsten und sogar in der Arktis zu finden sein. Das heißt, dass wir nicht nur Müll vor unsere eigene Haustür werfen, sondern auch für fremde und teils sehr empfindliche Ökosysteme verantwortlich sind. Dies sollten wir uns zu jeder Zeit vor Augen halten.

Ich freue mich auf eine spannende Zeit als Postdoc in der Abteilung “Hydrodynamik und Datenassimilation” und bleibt gesund!

Mensch mit Doktorhut
(Foto: privat)

 

Wer genau hinschaut, entdeckt an Marcels Doktorhut ein Holzplättchen … Holzplättchen dieser Art wurden in dem Projekt der Uni Oldenburg als Drifter in der Nordsee eingesetzt. Durch diese Aktion fand man Erstaunliches heraus, was in seine Doktorarbeit eingeflossen ist:

==> Ungewöhnliche Strömungsverhältnisse der Nordsee im Frühjahr 2018

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