Küstenforschung

Was wäre, wenn …

Beitrag von Dr. Ralf Weisse, Leiter der Abteilung Küstenklima

Anfang des Jahres zog Sturmtief “Sabine” über Deutschland hinweg und bescherte der deutschen Nordseeküste eine Serie von mehreren kurz aufeinanderfolgenden Sturmfluten. Solche Sturmfluten und deren mögliche Auswirkungen stellen für die niedrig gelegene, zum großen Teil durch Deiche geschützte, deutsche Nordseeküste eine permanente Bedrohung dar.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt EXTREMENESS (Extreme Nordseesturmfluten und ihre möglichen Auswirkungen) hatte es sich zum Ziel gesetzt zu untersuchen, inwieweit innerhalb physikalisch plausibler Annahmen durch das Zusammenspiel von Sturm, Gezeiten und weiterer Faktoren extrem unwahrscheinliche, bisher noch nicht beobachtete Nordseesturmfluten möglich sind, diese zu beschreiben und deren potenzielle Auswirkungen zu untersuchen.

In einem transdisziplinären Ansatz wurde mit lokalen Stakeholdern herausgearbeitet, welche Eigenschaften eine Sturmflut aus Sicht des Risikomanagements und der verschiedenen Akteure extrem erscheinen lassen. Während in der Öffentlichkeit extreme Sturmfluten oft mit ungewöhnlich hohen Ereignissen assoziiert werden, stellte sich als ein Ergebnis der transdisziplinären Herangehensweise heraus, dass aus Sicht des Katastrophenschutzes und der betroffenen Akteure neben der Höhe auch die Verweildauer oder auch das sehr schnelle Aufeinanderfolgen mehrerer Sturmfluten über einen längeren Zeitraum das Risikomanagement vor extreme Herausforderungen stellen kann. Im Projektverlauf wurden deshalb sowohl hohe, als auch langandauernde sowie Serien kurz aufeinanderfolgender Sturmfluten betrachtet.

Dabei stellte sich heraus, dass physikalisch plausible Extremereignisse identifiziert werden konnten, die zum Teil über den bisher beobachteten Werten lagen und des Weiteren Potenzial für zusätzliche Verstärkungen aufwiesen. Für das Gebiet um Emden wurde darauf aufbauend gemeinsam mit lokalen Akteuren eine Reihe von Szenarien entwickelt. Schadenspotenzialanalysen zeigten, dass für diese Szenarien mögliche Auswirkungen gegenüber einer bereits aufgetretenen Referenzflut zum Teil deutlich erhöht sein könnten.

Der Umgang mit möglichen Auswirkungen solcher Ereignisse sowie die Ableitung und Bewertung von Maßnahmen und Handlungsnotwendigkeiten war Teil des transdisziplinären Prozesses im Projektverlauf. Hierbei wurde insbesondere die Notwendigkeit verdeutlicht, die Gefahren von Nordseesturmfluten und kritischen Entwässerungszuständen gemeinsam zu betrachten, um die Sicherheit der Region auch in Zukunft bei weiter steigendem Meeresspiegel und möglichen Veränderungen in der Häufigkeit und/oder Intensität von Extremereignissen langfristig und nachhaltig zu gewährleisten.

Dieses ist das Ziel eines neuen Projekts WAKOS (Wasser an den Küsten Ostfrieslands), das über eine integrierte Betrachtung der verschiedenen Prozesse und Faktoren sowie deren Zusammenhänge und Wechselwirkungen eine kombinierte Betrachtung des Küstenschutzes und der Binnenentwässerung für die Festlandküste sowie der Süßwasserversorgung der ostfriesischen Inseln anstrebt.

==> Website EXTREMENESS

==> Abschlussbericht EXTREMENESS

==> Blogbeitrag “Forschung trifft Praxis”

==> Sturmflutmonitor

==> Projekt WAKOS

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