Leben am Limit
In der Nordsee ist der Bestand an Kabeljau stark zurückgegangen, was auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen ist. Ein wichtiges Kriterium ist, dass die Larven dieser Fischart zur richtigen Zeit am richtigen Ort das passende Lebensstadium erreicht haben müssen, um überhaupt auf ihre Nahrungsorganismen zu treffen. Diese Stadien hängen stark mit den Umweltbedingungen zusammen. Computer-Simulationsmodelle liefern eine Erklärung für den beobachteten Rückgang.

Der obere Teil der Grafik zeigt die mittlere räumliche Verteilung der potentiell überlebenden Larven, zu dem Zeitpunkt, an dem sie Zooplankton als Nahrungsquelle benötigen. Man sieht deutlich, dass nur die Larven, die sich in den sehr produktiven Regionen der südlichen Nordsee befinden, überleben können.
Der untere Teil der Grafik zeigt die Langzeitvariabilität des simulierten Überlebensindex der Larven und, zum Vergleich, die Variabilität des Rekrutierungserfolges des Kabeljaus (Verfügbar vom International Council for the Exploration of the Sea).
Im Themenspezial Biodiversität der Wissensplattform “Erde und Umwelt” (ESKP) zeigt Dr. Ute Daewel aus der Abteilung Stofftransport und Ökosystemdynamik am Beispiel des Kabeljaus auf, welche Bedeutung die Biodiversität in Zeiten des Klimawandels hat. Denn das Ökosystem befindet sich in einem sensiblen Gleichgewicht, in dem „Timing“ eine wichtige Rolle spielt. Lebensformen am Rande ihres Toleranzbereiches haben nur wenig bis keinen Spielraum, ihren Lebenszyklus starken Veränderungen der Umweltbedingungen anzupassen.




