Eine Tour durch die Elbe-Nordsee Supersite

160719_titel (Foto: Sina Bold / HZG)

Beitrag von Sina Bold, Abteilung Aquatische Nährstoffkreisläufe

Wie funktionieren Fluss-Meer-Systeme? Welche Ökosystemdienstleistungen stellen Fluss-Meer-Systeme dem Menschen bereit? Welche Herausforderungen ergeben sich in Fluss-Meer-Systemen durch unterschiedliche Nutzungen durch den Menschen? Welche Beispiele für nachhaltige Lösungsansätze gibt es bereits heute? Dies sind die übergreifenden Fragen für eine Reihe von Online-Vorlesungen, die derzeit im Rahmen des EU-Projekts DANUBIUS-PP entwickelt werden.

Hintergrund

Das Vorbereitungsprojekt DANUBIUS-PP („Preparatory Phase“) startete Ende 2016 und läuft noch bis Ende 2019, um die Grundlagen für den Aufbau und Betrieb von DANUBIUS-RI zu schaffen. DANUBIUS-RI (engl. „Research Infrastructure“) ist ein europäisches Forschungsinfrastrukturvorhaben zur Untersuchung von Fluss-Meer-Systemen. Die Forschungsinfrastruktur soll es Wissenschaftlern ermöglichen, die Flüsse und ihre Einzugsgebiete, die Übergangsgewässer, wie Ästuare und Deltas, sowie ihre angrenzenden Küstenmeere zusammenhängend zu erforschen. DANUBIUS-RI wird derzeit als verteilte Forschungsinfrastruktur mit knapp 30 Partnern aus mehr als 15 Ländern aufgebaut. Insgesamt gibt es zwölf Fallstudien, sogenannte „Supersites“, entlang Donau (AUT, HU, RO), Elbe (DE), Rhein (DE, NL), Themse (UK), Tay (UK), Guadalquivir (ES), Ebro (ES), Po (IT) und Nestos (GR), sowie ihren jeweiligen angrenzenden Meeren (Schwarzes Meer, Nordsee, Atlantik, Mittelmeer). Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) koordiniert die Elbe-Nordsee Supersite.

Vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht über Hamburg bis ins Wattenmeer

Am 20. und 21. Juni hat uns der schottische Filmemacher Michael Rea am HZG besucht, um Material für einige Online-Vorlesungen über Fluss-Meer-Systeme zu sammeln. Gemeinsam haben wir die Elbe-Nordsee Supersite erkundet. Die Elbe-Nordsee Supersite erstreckt sich von Tesperhude in Geesthacht bis in die deutsche Bucht und umfasst somit Süßgewässer, Übergangsgewässer und Küstengewässer.

Wir haben unsere Tour am Helmholtz-Zentrum Geesthacht gestartet, wo wir Michael unsere Labore und unsere Halle mit diversem Equipment gezeigt haben. In Tesperhude (ca. 10 min zu Fuß vom HZG) haben wir dann Wasserproben aus der Elbe genommen und Kirstin Dähnke, Leiterin der Abteilung “Aquatische Nährstoffkreisläufe” interviewt. Kirstin erklärte uns, wie sich die Filterfunktion der Tideelbe in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat und welche Auswirkungen das hat.

Weiter ging es am Wehr in Geesthacht, das den Beginn der Tideelbe markiert. Hier befindet sich auch die größte Fischtreppe in Europa, die es Fischen ermöglicht, trotz des Wehrs sowohl flussaufwärts als auch flussabwärts zu wandern.

Im Hafen von Oortkaten sind wir an Board unseres kleinen Forschungsboots „Storch“ gegangen, sodass wir die Elbe und den Hamburger Hafen vom Wasser aus erkunden konnten. Auf der Hinfahrt konnten wir u.a. Bunthaus (wo sich die Elbe in Norder- und Süderelbe teilt), die Elbbrücken, die Elbphilharmonie, das Treiben an den Landungsbrücken, den Fischmarkt sowie Blankenese und Wedel bestaunen. Auf der Rückfahrt haben wir noch zwei Abstecher in ein Hafenbecken und die Speicherstadt gemacht. Natürlich sind wir auf unserer Fahrt einigen Containerschiffen begegnet, die von Board der „Storch“ gigantisch wirken.

Am nächsten Tag sind wir der Elbe weiter flussabwärts gefolgt. In Brunsbüttel mündet der Nord-Ostsee-Kanal in die Elbe, der Schiffen die Reise durch das Skagerrak zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden erspart. Gerade als wir die vorbeifahrenden Schiffe bestaunten, kam unser Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“ durch die Schleuse und machte sich auf den Weg Richtung Hamburg. Das war eine Überraschung!

Der Höhepunkt der Tour war für Michael jedoch das Wattenmeer. Von Friedrichskoog aus haben wir eine Wattwanderung gemacht und danach die angrenzenden Salzwiesen bestaunt. Justus van Beusekom, Wissenschaftler in der Abteilung “Aquatische Nährstoffkreisläufe”, erklärte uns in einem Interview die Besonderheiten und die Bedeutung des Wattenmeers, aber auch die vergangenen und zukünftigen Herausforderungen (u.a. Überdüngung, Meeresspiegelanstieg).

(Alle Fotos: Sina Bold / HZG)

Elbe-Nordsee Supersite

Die Elbe-Nordsee Supersite verdeutlicht zum einen die Bedeutung von Fluss-Meer-Systemen für Urbanisierung und Schifffahrt, Industrie und Energiegewinnung sowie Landwirtschaft und Fischerei. Zum anderen werden in der Elbe-Nordsee Supersite einige Herausforderungen deutlich, die mit verschiedensten menschlichen Nutzungen einhergehen. Das Ziel von DANUBIUS-RI ist es daher, ein besseres Prozess- und Systemverständnis zu entwickeln, um bestehende und zukünftige Herausforderungen in Fluss-Meer-Systemen besser bewältigen zu können. Dies erfordert ein Umdenken in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft sowie die Zusammenarbeit verschiedenster Akteure über disziplinäre, regionale und nationale Grenzen hinweg und das Zusammenbringen von relevanten europäischen Umweltrichtlinien.

==> Europäische Forschungsinfrastruktur zur Untersuchung von Fluss-Meer-Systemen (HZG Webseite)

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