Wenn sich über 15.000 Geowissenschaftler/innen …
einmal im Jahr in Wien treffen …
Beitrag von Sina Bold, Abteilung Aquatische Nährstoffkreisläufe

Dieses Jahr haben 16.273 Wissenschaftler/innen an der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) teilgenommen, die vom 8. bis 13. April in Wien stattfand. Die Wissenschaftler/innen kamen aus 113 Ländern – über 2.500 waren allein aus Deutschland da. Über die Hälfte der Teilnehmer/innen waren unter 35 Jahre alt. In diesem Jahr wurden 5.531 Vorträge gehalten, 9.432 Poster vorgestellt und 1.287 PICO („Presenting Interactive Content“) präsentiert. Insgesamt setzte sich das Programm aus 683 Sessions, 87 Kursen und 338 Nebenveranstaltungen zusammen. Das ist eine ganze Menge, sodass man schon mal den Überblick verlieren kann!
Ich war in diesem Jahr zum zweiten Mal bei der Generalversammlung der EGU und wusste schon aus dem letzten Jahr, was mich ungefähr erwartet. Trotzdem ist es nach wie vor beeindruckend! Die meisten Teilnehmer/innen reisen bereits am Sonntag an, um sich zu registrieren und an dem sogenannten „Icebreaker“ am Abend teilzunehmen. Weitere Teilnehmer/innen erkennt man meist bereits auf der Reise an einer Posterrolle oder an dem Namensschild, das an einem blau-gelben Band um den Hals baumelt. Dies dient nicht nur als Namensschild und „Eintrittskarte“, sondern auch als Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien.
Die Generalversammlung der EGU findet in dem „Austria Center Vienna“ statt, das bis zu 20.000 Teilnehmer/innen Platz bietet. Auf mehreren Etagen und in zwei Hallen vor dem Konferenzzentrum finden hier von Montag bis Freitag von 8:30 Uhr bis ca. 20 Uhr viele unterschiedliche Sachen statt. Jeder Tag ist in der Regel in 4 Blöcke aufgeteilt, die jeweils 1 Stunde und 45 Minuten andauern.
Während dieser Blöcke gibt es natürlich nicht nur eine große inhaltliche Auswahl, sondern auch einige unterschiedliche Formate, diese Inhalte zu präsentieren. In sogenannten Sessions werden Vorträge und Poster unter einem übergreifenden Thema zusammengefasst. Meist finden ca. sechs Vorträge hintereinander statt. Bei der Vielzahl an Sessions und Vorträgen gibt es einen straffen Zeitplan. Die Vorträge dürfen nicht länger als 12 Minuten sein, und danach können nur noch 3 Minuten lang Fragen gestellt werden!
Postersessions sind im Allgemeinen etwas entspannter. In großen Hallen werden Stellwände aufgereiht, an denen Poster aufgehängt werden. Diese kann man sich den ganzen Tag anschauen. Es gibt jedoch auch eine Zeit, an dem eine/r der Autoren bei dem Poster anwesend ist, sodass die wissenschaftlichen Ergebnisse und Methoden direkt diskutiert werden können.
Die Vorteile eines Vortrags und eines Posters kombiniert seit 2013 das Format PICO („Presenting Interactive Content“). Jede PICO Session beginnt mit 2 Minunten „Vorträgen“, in denen die Wissenschaftler/innen die Highlights ihrer Forschung präsentieren und weiteres Interesse wecken. Danach können Interessierte an Touchscreens mehr zu dem Thema entdecken, indem sie selbst durch eine Präsentation oder Animation navigieren und mit den Autoren reden.
Am Abend zwischen 18 und 19 Uhr gab es in diesem Jahr zum ersten Mal eine offizielle „Networking Hour“, um sich z.B. bei den Postern mit anderen Wissenschaftler/innen auszutauschen. Manchmal geht es danach noch weiter mit Preisverleihungen, Diskussionsrunden und Veranstaltungen von allgemeinem Interesse …
Insgesamt ist die Generalversammlung der EGU eine gute Möglichkeit, die eigenen Forschungsergebnisse zu präsentieren und mit der Wissenschaftsgemeinde zu diskutieren sowie auf dem aktuellen Wissensstand bzgl. eines Forschungsgebiets zu bleiben und sich in diversen Kursen weiterzubilden. Durch die Vielzahl an Sessions kann man aber auch einen Einblick in Bereiche bekommen, die außerhalb des eigenen Forschungsgebiets liegen. Und über allem steht natürlich das Netzwerken – der Austausch mit ehemaligen und potentiell zukünftigen Kolleginnen und Kollegen!





