Zurück. Wieder an Neumayer. Nicht nur eine Station. Für uns ein Dorf. Nein, eher schon eine Stadt. Man stelle sich gemütliche Bewohner eines Weilers vor, die, Tag ein, Tag aus, ihren geregelten Tagesablauf haben. Und dann sind sie plötzlich in der Stadt. So fühlten wir uns gestern.
Vor der Station: Container, Pistenbullies, Motorschlitten, markierte Fahrwege. Wie auf einem Supermarktparkplatz am Samstag. In der Station: viele Leute, reges Treiben. Begrüßung, Gespräche. Wir waren gerade rechtzeitig zum Abendessen gekommen. Aber wie das so ist in der Stadt – alle Plätze belegt! Daran muß man sich erst wieder gewöhnen. Aber kein Problem, nach einer halben Stunde war dann wieder genug Platz in der Messe zum Essen. Nach ein, zwei Tagen ist der Trubel ja auch wieder normal. Kennt ja jeder, wie nach einem längeren Urlaub. Und die Vorzüge nutzen wir natürlich auch recht schnell, Duschen, fließend warmes Wasser, nicht nur ein Kanister, Waschmaschine und was es noch so gibt.
Aber nach dem Abendessen war es dann doch etwas zu viel des Treibens. Bis zum Abflug am Montag wohnen wir freiwillig weiter in unserem Wohncontainer bzw. der Biwakschachtel. Die sind unweit der Station geparkt. Deshalb nutzen wir auch erstmal die Gelegenheit, weiter von den eigenen Vorräten vor unserer Biwakschachtel, gemütlich auf einer Isomatte mit Blick nach Westen in den baldigen Sonnenuntergang, einen Sundowner und die Stimmung zu genießen. Die nächsten Tage werden auch wieder hart, mit der Vorbereitung und Stauung der Rückfracht.
Noch etwas stiller geht es in der „Bibliothek im Eis“ zu. Das ist ein sehr ruhiger Ort. Geschaffen wurde er von einem Künstler noch zu Zeiten von Neumayer II. Jene Station war ja im Eis, also unter der Oberfläche, hatte also kein Tageslicht. Und gerade im Winter, dachte er sich, sollten die Üwis doch wenigstens einen Aufenthaltsort an der Oberfläche haben, um wenigstens Kurz die Dämmerung oder sogar die Sonne sehen zu können. Und so wurde die „Bibliothek im Eis“ geschaffen. Nach dem Abbau von Neumayer II ist sie aber mit umgezogen und hat jetzt ihren festen Platz einige hundert Meter von der Station. Ein sehr gemütlicher und ruhiger Ort, kein Telefon, kein Funk, kein Internet, fast nie jemand da. Genau richtig, um den Blog zu schreiben und über die letzten Wochen nachzudenken.
- Die Bibliothek im Eis von außen fotografiert.