Wie sieht es unter dem Eis aus?

Wie sieht es unter dem Eis aus?

Genau das wollen wir mit seismischen Messungen herausfinden! In den nächsten Blogbeiträgen stellen wir hier die Methoden vor, die wir während der Traverse einsetzen werden. Bisher ist aus flugzeuggestützten Radarmessungen (elektromagnetisches Reflexionsverfahren oder radio echo sounding) die Eisdicke der gegründeten Teils des Eises bereits bekannt. Da man auch die Topografie der Eisoberseite kennt, kann man so die Topografie der Eisunterseite berechnen. Dies funktioniert aber nicht auf dem schwimmenden Teil des Eises, dem Schelfeis. Hier wurde durch ebenfalls flugzeuggestützte gravimetrische Messungen die Mächtigkeit der Wassersäule, und damit die Topografie des Meeresbodens (Bathymetrie) indirekt bestimmt. Die Grafik zeigt die Zusammenstellung der bisher bekannten Daten. Die schwarze Linie ist die Aufsetz- oder Gründungslinie, die Grenze zwischen schwimmendem Eis im Norden und gegründetem Eis im Süden. Mit reflexionsseismischen Methoden können wir die Eisdicke sowohl auf dem Schelfeis als auch dem gegründeten Eis bestimmen. Zusätzlich bekommen wir einen Einblick in die Struktur der Sedimente unter dem Eis bzw. dem Wasser.

Ein besonders interessante Ort in der Grafik für die vergangene Dynamik des Eises ist der flache Graben südlich des Halvfarryggens (rote Linie in der Grafik). Auch wenn heute das Eis in diesem Bereich kaum noch fließt, so legt die Topografie an der Eisunterseite die Möglichkeit nahe, das in früheren Zeiten hier das Eis deutlich schneller geflossen ist und das Tal „ausgehobelt“ hat. Mit Hilfe der seismischen Messungen wollen wir herausfinden, ob unter dem Eis noch Sedimente vorhanden sind oder diese durch vergangenes Fließen des Eises erodiert wurden und hier hartes Gestein ansteht.

Untergrundtopografie im Messgebiet (Grafik von S. Riedel)

(Daten der Grafik aus Riedel et al., GJI, 2012)

 

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