20.01.2014 – Temperaturprofile im Firn

Bohrloch-Temperaturmessung.jpg

Eisschilde werden von oben durch die kalte Atmosphäre gekühlt und von unten
durch den geothermischen Wärmestrom im Felsuntergrund erwärmt, d.h. die
Temperatur nimmt von oben nach unten zu. Das vertikale Temperaturprofil ist aber
nicht nur beeinflusst durch die Wärmeleitung im Eis und die Randbedingungen oben
und unten, sondern wird auch durch die Eisbewegung und durch die Deformation
verändert.

Oft wir ein Temperaturprofil für ein Eisschild im Gleichgewichtszustand als
Vergleich herangezogen. Man nimmt dafür an, dass sich die Form des Eisschildes
nicht ändert, d.h. dass der Gewinn durch Akkumulation oben durch Massenverluste
aufgrund divergenter Bewegung im Inneren es Eisschildes ausgeglichen wird. Ein
solches Profil ist als durchgezogene Linie im Diagramm gezeigt. Vergleicht man
ein aktuelles Temperaturprofil (gestrichelte Linie), so wird die Erwärmung der
oberen Bereiche des Eisschildes seit der letzten Kaltphase vor mehreren hundert
Jahren deutlich. Solche Temperaturprofile wurden auch an den Positionen CoFi2
und CoFi4 (450 bzw. 900 km östlich von Kohnen) gemessen. Wie bei vielen
Beobachtungen lernt man hier nicht nur etwas über die Veränderungen im
Eisschild, sondern die Daten werden auch genutzt, um Eisschildmodelle zu
verbessern und damit langfristige Klimaszenarien zu schärfen (Anaïs Orsi, Peter
Lemke).

Die Grafik zeigt das Temperaturprofil der oberen 200 Meter für ein Eisschild im
Gleichgewichtszustand (durchgezogene Linie) und ein Bohrloch bei der Kohnen-
Station, gemessen im Jahr 2013 (gestrichelte Linie, Anaïs Orsi). Das Foto zeigt
Temperaturmessungen an einem Bohrloch (Sepp Kipfstuhl).

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