(M)ein holpriger Start in die neue EGRIP Saison

Halo und Nebensonnen
Auch Schneeschaufeln gehört zum Alltag dazu

Seit Anfang Mai ist die diesjährige EGRIP Saison eröffnet, mit dem Ziel das ca. 2550 m dicke Grönländische Eisschild bis August vollständig durchbohrt zu haben. Dieses optimistische Ziel wird begleitet von diversen Nebenprojekten. Es wurden bereits Firn-Kerne gezogen, Radarmessungen angestellt und auch das Bohrloch des alten NEEM-Projektes wurde neu vermessen.

 

Halo und Nebensonnen (sun dogs)

Ich bin Ende Mai ins Camp gekommen und habe mich direkt wieder zuhause gefühlt. Alles sieht noch aus wie letztes Jahr, die Abläufe sind ähnlich und auch die meisten Gesichter sind mittlerweile alte Bekannte. Das macht es sehr angenehm, wieder in die eisige Welt Grönlands einzutauchen.

Leider hat sich die anfängliche Begeisterung schnell gelegt, zehn AWI-Kisten mit Polarklamotten und diversen Messinstrumenten haben es nicht auf die Palette geschafft und standen dementsprechend noch in Kangerlussuaq. Zum Glück (im Unglück) erreichte der nächste Flieger nur fünf Tage später unser Camp und hatte dieses Mal die gesamte Ladung an Bord. Die vermissten AWI-Kisten, eine Palette mit Eiskernboxen (gefüllt mit Lebensmitteln) und zwei neue Camp-Bewohner. Momentan sind wir beschauliche 24 Personen aus 12 Nationen, das lässt genügend Platz zum Arbeiten, Entspannen oder um sich über die neuesten Erkenntnisse auszutauschen. Gerade letztes war auch bitter nötig, denn der nächste Stolperstein ließ nicht lange auf sich warten.

Reperatur des Fabric Analysers

Unser Hauptmessgerät, der Fabric Analyser, funktionierte nicht so zuverlässig wie er es noch einige Wochen zuvor am AWI tat. Dieses Instrument liefert uns diverse Daten über die Eiskristalle des Grönländischen Eisschildes. Besonders die Orientierung der einzelnen Kristalle ist für uns von Interesse, erlaubt sie es uns doch Aussagen über die Deformationen und das Fließverhaltne des Eises zu treffen. Das ist besonders interessant für das EGRIP-Projekt, schließlich wird hier zum ersten Mal ein fließender Eisstrom angebohrt, mit besonderem Augenmerk auf die Dynamik. Der Fabric Analyser ist für unsere Arbeit hier nicht zu ersetzen, und nach zwei anstrengenden Wochen mit unzähligen Testmessungen konnten die Probleme glücklicherweise behoben werden. Parallel dazu blieb der Bohrer in fast 2000 m Tiefe stecken und es dauerte einige Tage bis er wieder „herausgefischt“ werden konnte.

Diese Ausnahmesituation hat mir mal wieder vor Augen geführt, was ich an wissenschaftlicher Feldarbeit so sehr schätze. Menschen mit den unterschiedlichsten Ausbildungen, Interessen und Nationalitäten packen gemeinsam an und ziehen am selben Strang. Ohne diese Hilfsbereitschaft, Flexibilität und das Gefühl „Gemeinsam Teil von Etwas Größerem zu sein“ wäre Forschung in den Polarregionen nicht möglich, trotz all des technologischen Fortschrittes der letzten Jahrzehnte.

Unterwegs in der Clean Snow Area

So kann es auch vorkommen, dass alte Methoden nimmer noch die Besten sind. So zum Beispiel auch als ich vor einigen Tagen für einige Kollegen passive Seismometer installiert habe. Bei der Rotation des Bohrers entstehen Seismische Wellen, die von Seismometern empfangen werden können um mehr über das Eis und das darunterliegende Grundgestein zu erfahren. Einige dieser Geräte sollten in einem Bereich ausgebracht werden, der gesperrt für Fahrzeuge aller Art („Clean Snow Area“). Statt das Schneemobil zu nehmen, schnallte ich mir also Langlauf Skier an und zog die Ausrüstung in einem Schlitten hinter mir über das Eis. Nach gut tausend Metern war auch das letzte Geräusch vom Camp verschwunden und außer Wind und der eigenen Atmung war es absolut still. Ansatzweise so müssen sich die Pioniere der Polarforschung gefühlt haben.

Abschied vom EGRIP-Camp

Dieser und zwei weitere Erfolge wurden am Montag gebührend mit einem Pub-Quiz gefeiert und somit sind wir guter Stimmung und freuen uns auf den nächsten Flieger. Der wird über 20 neue Leute ins Camp bringen und die Teilnehmeranzahl auf 40 ansteigen lassen. Parallel dazu wird die Hauptarbeit am Eiskern beginnen, es bleibt also weiter spannend.

Nicolas Stoll

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