Eismassenverlust im Süden der Antarktischen Halbinsel
Einer neuen Studie zufolge, die von Forschern der Universität Bristol unter Beteiligung der Glaziologie am AWI im Fachmagazin Science am 23.5 veröffentlicht wurde, beobachtet man seit etwa 2010 im Südwesten der Antarktischen Halbinseln einen starken Eismassenverlust. Diese Region galt bislang als stabil und wies im Zeitraum von 2002 bis 2010 keinerlei Höhenänderungen bzw. Massenänderungen auf.
Mit Hilfe des europäischen Satelliten CryoSat-2 wurde nun eine mittlere Höhenabnahme von etwa 0.4 m pro Jahr über eine Fläche von 750 000 Quadratkilometer bestimmt, dies entspricht etwa halb Deutschland. Der betroffene Bereich umfasst eine Länge von etwa 750 Kilometer und die sich dort befindlichen Gletscher fließen in die Bellingshausen-See, die durch einen schmalen Kontinentalschelf mit tiefen Gräben charakterisiert ist.

Die Studie vermutet als Ursache für den plötzlichen Eismassenverlust warme (1 – 1.5°C) Ozeanströmungen (zirkumpolares Tiefenwasser), die durch die genannten Gräben bis zu den Schelfeisen dringen, die den Gletschern vorgelagert sind, und diese von unten schmelzen. Dadurch destabilisieren sich die Schelfeise und können den aus dem Inland beständig nachfließenden Gletschern weniger Rückhaltekraft entgegenbringen. Erhöhte Fließgeschwindigkeiten der Gletscher und damit erhöhte Ausdünnungsraten und vermehrter Massentransport in den Ozean sind die Folge.
Seit dem Jahr 2010 fließen in der betroffenen Region nun pro Jahr zusätzlich etwa 65 Gigatonnen Eis ins Meer. Dies entspricht etwa 1/10 des derzeitigen globalen Meeresspiegelanstiegs von 3.3 mm pro Jahr. Wegen der hohen Sensitivität der Antarktischen Halbinsel hinsichtlich Klimaerwärmung und Veränderungen in den atmosphärischen und ozeanischen Strömungsmustern, wird diese Region auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch unter besonderer Beobachtung durch die Wissenschaftler stehen.
Veit Helm




