Auf rutschigem Terrain

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Heute ist Sonntag, doch was bedeutet das während einer Antarktis-Expedition? Angekommen an der Princess Elisabeth Station erzählten unsere belgischen Kollegen, dass sie sonntags „kind of free“ haben. Auf uns traf das bisher nicht zu, denn dreimal hintereinander stand sonntags für uns ein Messflug auf dem Programm. Heute sollte es genau so werden, doch unser Pilot (Brad) betrachtete beim Frühstück skeptisch die Wettersituation. Ein Logistik-Flugzeug war heute Vormittag in der Nähe unterwegs und Brad schlug vor, seine Kollegen zu fragen, wie tief die Wolken über dem Plateau stehen. Kurze Zeit später bewahrheitete sich seine Vermutung, dass ein Messflug über dem Plateau in der vorgesehenen Höhe nicht möglich gewesen wäre.

„Kind of free“ trifft auf die beiden Köche zu, die an allen anderen Tagen mit viel Aufwand mittags ein umfangreiches Salatbuffet und abends ein warmes Essen zubereiten. Jacque, der sich sonst ab früh morgens dem Erweiterungs-Bau der Princess Elisabeth Station zuwendet, backt sonntags Frühstücks-Croissants. Während mittags Selbstbedienung die Devise lautet, wandert die Verantwortung für das Essen am Sonntagabend unter allen anderen reihum. An manchen Stellen zeigt sich, dass der nächste Flug der Iljushin von Kapstadt Richtung Süden bevorsteht: Gestern ging der Schokoladen-Vorrat der Station zu Neige und heute Morgen wurde die letzte Packung Milch geleert. Von dem vielen frischen Obst, dass uns in den letzten Wochen Freude bereitete, sind auch nur noch geringe Menge vorrätig. Doch es ist wichtig sich vor Augen zu halten, dass wir uns in der Antarktis befinden. Frisches Obst und Milch sind hier alles andere als selbstverständlich und es ist ein großer logistischer Aufwand nötig, um Frischkost zu erhalten (was nur im Antarktis-Sommer geht).

Heute Vormittag wurden die Daten des letzten Fluges zusätzlich gesichert und mit der Auswertung begonnen. Anschließend zog es uns auf den Gletscher mit angrenzender Moräne, die sich von dem Weihnachten bestiegenen Hausberg (Utsteinen) Richtung Landebahn erstreckt. Oft blickten wir während der Skidoo-Fahrt zum Flugzeug zu den Ablagerungen, deren mineralische Zusammensetzung Graeme uns heute vor Ort erläutern konnte. Der Weg über das Eis gestaltete sich teilweise als sehr rutschig. Abschüssige Passagen waren schnell überwunden, doch bergauf ließ sich nur schwer rutschen. Auf dem Rückweg testeten wir verschiedene Passagen über das Eis und kamen schließlich alle gut zur Station zurück.

Leser:innenkommentare (1)

  1. TIMM, HOLGER

    Moin, Moin Tobias,

    tolles und spannendes Tagebuch von Deinem Aufenthalt in der Antarktis; auch interessante Beschreibung des s.g. alltäglichens.
    Ich bin gespannt auf Deine weiteren Blogs.
    Ach so, welche Temperaturen habt Ihr in diesen Tagen.
    Viele Gruesse aus dem regnerischen Hamburg bei 7°C / 4°C
    am Die., 06-01-2015 ; Heilige Drei Könige ) .
    Holger

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