Sehr erfolgreiche Experimente, hochwertige Ionenstrahlen für die Forschung – die Experimentierzeit auf dem GSI- und FAIR-Campus lieferte trotz der Corona-Pandemie positive Ergebnisse. In zahlreichen Bereichen konnte die bestehende Beschleunigeranlage Forscherinnen und Forschern vielfältigste Ionenstrahlen zur Verfügung stellen und den Weg für neue Entdeckungen und exzellente Forschungsmöglichkeiten der Zukunft öffnen. In unserem Blog berichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie sie die Krise erleben und bewältigen.
Professorin Mei Bai leitet den GSI-Geschäftsbereich „Beschleunigerbetrieb“, der Abteilungen umfasst, die mit der Entwicklung, der Wartung und dem Betrieb der GSI-Beschleunigeranlage betraut sind. Ihre Hauptaufgaben sind es, Ionenstrahl für die Experimente der FAIR-Phase 0 zu liefern und die bestehende Anlage „fit für FAIR“ zu machen. Das Interview führte Carola Pomplun während der Experimentierzeit März/April 2020.
Wie hat sich Dein Arbeitsalltag aufgrund der Corona-Krise verändert?
Bei der Arbeit eigentlich nicht so sehr. Ich bin während der Arbeitszeit immer noch hauptsächlich auf dem Campus und arbeite selten von zu Hause aus. Da wir beschlossen haben, den Betrieb während der Pandemie fortzusetzen, und das Betriebspersonal für die Maschine hier ist, sollte ich auch hier sein. Die Kapitänin kann nicht das Schiff verlassen. Viele meiner Kollegen arbeiten jetzt jedoch zumindest teilweise von zu Hause aus, z. B. rotieren sie die Anwesenheit mit einem Kollegen im selben Büro, um den physischen Kontakt zu reduzieren. Besonders vermisse ich meine Teamassistentinnen, die mir viel bei der Arbeit helfen. In meinem Privatleben ist das allerdings ganz anders. Mein Partner sitzt in New York fest und wir können uns nicht sehen.
Welche Schutzmaßnahmen hast du persönlich und für deine Teams getroffen?
Ich bin Asiatin und wir sind es gewohnt, Masken zu tragen. Ich habe das schon früher gemacht, wenn ich Allergien hatte oder mich etwas unwohl fühlte, das ist nicht neu für mich. Am Anfang gab es im ganzen Land einen Mangel an Masken und Desinfektionsmittel. Also mussten wir kreativ werden. Ich möchte mich bei meinen Kollegen, insbesondere bei Torsten Radon und Karsten Vogt von der “Task Force Health” und bei Christian Schmidt vom Detektorlabor, dafür bedanken, dass sie dem Beschleunigerpersonal Masken aus ihrem Vorrat und selbst hergestelltes Desinfektionsmittel aus den im Labor vorhandenen Chemikalien zur Verfügung gestellt haben. Wir haben auch großzügige Geschenke von unseren Kollegen in China vom Institut für moderne Physik und vom Institut für Hochenergiephysik erhalten, die beide einen großen Vorrat an Masken geschickt haben. Glücklicherweise hat sich die Situation jetzt etwas entspannt, und die Waren sind wieder verfügbar. Sie sind zwar an den meisten Arbeitsplätzen nicht obligatorisch, aber wir möchten den Kolleginnen und Kollegen sie zumindest anbieten können, wenn sie sich damit sicherer fühlen. Außerdem haben wir den Parallelbetrieb reduziert, damit das Personal im Hauptkontrollraum in sicherer Entfernung arbeiten kann, und wir setzen natürlich durch, das auch einzuhalten und die Regeln zu befolgen. Ich halte die Mitarbeiter auch an, sich bei Bedarf genügend Ruhe zu gönnen und sich nicht zu überanstrengen. In einer Zeit wie dieser müssen Körper und Immunsystem stark bleiben und man muss Überanstrengung vermeiden.
Was hat sich beim Betrieb im Vergleich zum vorherigen Plan geändert?
Wir haben uns entschieden, den Beschleunigerbetrieb fortzusetzen, allerdings musste er deutlich reduziert werden. Glücklicherweise erlaubte uns die Geschäftsführung, alle Experimente weiterzuführen, die sinnvoll und sicher durchgeführt werden konnten. Das hat seine Vor- und Nachteile. Viele Experimente mussten leider abgesagt werden, etwa aufgrund von Reisebeschränkungen externer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, aber es war auch eine Chance für die, die durchgeführt werden konnten. Einige von ihnen bekamen mehr Zeit als ursprünglich geplant, in der aussagekräftige Messdaten aufgenommen werden konnten. Dies ist für den Doktoranden und das Team wirklich bedeutsam.
Wie organisierst du jetzt die Arbeit in deinem Team?
Persönlich sehe ich die Leute viel weniger, aber der Umfang der Kommunikation bleibt unverändert. Wir haben sie einfach auf E-Mails und Videokonferenzen verlagert. Natürlich kann man nicht einfach schnell zu jemandem ins Büro gehen und improvisierte Diskussionen führen. Stattdessen rufen wir uns gegenseitig an oder senden einen Link, um an einer Videokonferenz teilzunehmen. Alles in allem ist die Kommunikation aber sehr gut, wir haben uns sogar schon zu einer “Happy Hour” nach der Arbeit per Videokonferenz getroffen.
Was war eine Herausforderung, der du dich stellen mussten?
Wir mussten den Leuten die Sicherheit wirklich verständlich machen. Eine Situation wie die Corona-Pandemie ist beispiellos, und niemand kennt alle Details. Es ist nicht mein Fachgebiet, und ich kann die Risiken nicht beurteilen. Wir müssen also die uns gegebenen Richtlinien wirklich streng einhalten und alle davon überzeugen, sich an die Regeln zu halten. Zum Glück sind alle meine Kollegen gesund, bisher war niemand von der Pandemie betroffen, und wir möchten, dass es so bleibt.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir wirklich, dass diese COVID-19-Krise bald hinter uns liegt. Ich hoffe, dass sich alles so schnell wie möglich wieder normalisiert und dass mein Partner und ich uns wiedersehen können.
