Augenspiegel 17-18: Werbeblocker-Blocker-Blocker

Polarstern – Antarktische Halbinsel / Weddellmeer Foto: T. Badewien
Polarstern – Antarktische Halbinsel / Weddellmeer Foto: T. Badewien

Willkommen zur 66. Ausgabe der Augenspiegel-Kolumne! Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Zeitung (so richtig analog auf tätowiertem Baum) und irgendjemand hat alle Werbeanzeigen heraus geschnitten. Eine komische Vorstellung – okay. Aber vielleicht wäre es auch ganz nett, die Werbung nicht sehen zu müssen. Schließlich interessiert man sich ja für die redaktionellen Inhalte der Zeitung. Keine schlechte Idee also? Vielleicht für die Leserin, aber was würden der Zeitungsverlag und dessen Werbekunden dazu sagen? Vermutlich wären sie wenig erfreut, wenn jemand so eine Werbeausblendungs-Dienstleistung im großen Stil anböte. Im Internet passiert aber genau dies durch kleine Browser-Plugins, die AdBlocker.

Das dachte sich auch der Axel-Springer-Verlag und verklagte den Kölner Anbieter eines sehr verbreiteten Werbeblockers. Doch der Bundesgerichtshof gab den Beklagten Recht. Online-Werbeblocker sind und bleiben erlaubt. Die Firma Eyeo finanziert ihr Produkt AdBlock Plus übrigens dadurch, dass sie manche sogenannte „akzeptable“ Werbung dann doch durch den Werbefilter hindurch zur Leserin lässt, aber dann eben mitverdient. Auch das fanden die RichterInnen in Ordnung. Mittlerweile sperren manche Medienhäuser übrigens Websurfer*innen aus, die einen Werbeblocker betreiben – die Webseiten verwenden also AdBlocker-Blocker. Aber die Browser-Plugins haben schon aufgerüstet: Werbeblocker-Blocker-Blocker scheinen zu echten AdWars zu führen.

Ich bin gespannt wie das weitergeht: Noch gibt es keine Werbeblocker für Werbung in Videos und Audios. Und auch in eMails scheint Werbung noch gut beim Publikum anzukommen. Die zahlreichen neuen Newsletter der Medienhäuser scheinen also nicht nur eine schlaue Produktklasse zu sein, weil sowohl Inhalt als auch Werbung die Nutzenden ohne Algorithmen-Ausfilterung der Facebooks dieser Welt auch garantiert erreicht, sondern auch weil es hier (noch?) fast keine Werbeblocker gibt. Ein direkter Draht zu den Nutzenden ist also auch hier von Vorteil.

Der Totholz-Vergleich oben hinkt natürlich nicht nur, weil auf der Rückseite einer Print-Werbung auch ein redaktioneller Artikel stehen könnte, der in diesem Beispiel (teilweise) mit entfernt würde. Was der Print-Werbung gänzlich unbekannt ist, ist das in der Onlinewelt durchaus reale Problem der Schadsoftware („Malware“), die über Verlagswebeseiten in den Werbeinhalte mit an die Lesenden ausgespielt werden kann. Mehr dazu in dieser Augenspiegel-Kolumne von vor zwei Jahren.

Videos der Woche

Nach dem großen Erfolg der Rosetta-Animationen, setzt die ESA bei ihrer nächsten Mission (zum Merkur) berechtigterweise auf dasselbe Pferd:

Video: ESA

Video: Universität Zürich

Tweets der Woche

Demnächst gibt es unseren Web-Comic „Klar Soweit?“ auch als Print-Heft.

https://twitter.com/Kirschvogel/status/987244978698153984

https://twitter.com/stuhlgeflecht/status/989359404985257986

Audio-Podcasts googlen

Google ändert die Trefferlisten seiner Websuche bezüglich Podcasts. Dort werden zukünftig nicht mehr nur die Webseiten der Podcasts angezeigt, sondern die aktuellsten Episoden sind dann direkt in der Ergebnisliste abspielbar. Ein schöner Mehrwert, finde ich. Auf aktuellen Android-Geräten funktioniert dies bereits bei einigen Podcasts, wenn man deren Namen aus der Android-Suchleiste heraus sucht. Auch kann man die Podcasts auf solchen Smartphones jetzt ohne separate Podcatcher-App abonnieren.

Hier noch eine Hörempfehlung: Der Podcast The Habitat berichtet über ein Weltraumflug-Simulationsexperiment, das vor drei Jahren auf Hawaii statt fand. Die Reporterin von Gimlet Media hat nun exklusive Audio-Interviews verarbeitet, die sie mit den Mars-Simulations-AstronautInnen während der einjährigen Mission führen konnte.

Und noch ein Lesetipp bezüglich Podcasts: Warum sind (Wissenschafts)Podcast so erfolgreich?, fragt und bloggt Florian Freistetter. Schon länger produziert Sascha Lobo für Spiegel Online einen Debatten-Podcast. In der Episode vom 16. April 2018 geht er darin auf meinen Vorschlag für eine Open Social Infrastructure ein, im Audio zu hören ab Minute 4.

https://soundcloud.com/user-728223693/mark-zuckerberg-im-kongress-facebook-die-erste-vernetzte-gefuhlsmaschine

Gestern griff auch Hanna Decker aus dem Wirtschaftsressort von FAZ.NET die OSI-Idee in einem Artikel auf.

Kurz verlinkt

Die Augenspiegel-Kolumne

Die Kolumne „Augenspiegel – Webfundstücke rund um die Wissenschaft“ erscheint seit Februar 2014 etwa alle zwei Wochen freitags im Blogportal der Helmholtz-Gemeinschaft. Darin stellt Henning Krause, Social Media Manager in der Helmholtz-Geschäftsstelle, Internetfundstücke aus dem Web 1.0 und dem Web 2.0 vor, die zeigen, wie sich der gesellschaftliche Diskurs um Wissenschaft im Internet abspielt: neue Kommunikationsformen, neue Technologien und Kommunikationskulturen. Bei dieser Kuratierung spielen Blogs, Apps, Facebook, Youtube und Twitter eine Rolle – anderseits auch Internet-Meme, Shitstorms und virale Videos. Etwas ähnliches macht auch das Panoptikum auf Wissenschaftskommunikation.de

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