Augenspiegel 06-18: Wie dick soll man auftragen?
In dieser Woche startete erstmals die derzeit stärkste Trägerrakete der Welt: Die Falcon Heavy hob zu einem Testflug ab und ihre beiden Seitenbooster landeten wenige Minuten später wieder nebeneinander in Florida. Die meiste Aufmerksamkeit bekam der Raumflug von SpaceX jedoch für die Nutzlast des Testflugs: Auf der Spitze der Rakete wurde keine Sonde und kein Satellit zum Mars geschossen, sondern ein Elektroauto der Firma Tesla. Doch einen Zweck erfüllt das Auto im Weltraum nicht. Raumfahrtvisionär Elon Musk (Chef beider Firmen) hätte sich ebenso gut für einen Betonklotz entscheiden können, wählte aber das e-Auto. Im Netz streiten sich nun die Beobachter: Ein Tesla im All – ist das zu viel plumpe PR oder weckt er neue Raumfahrtbegeisterung?
Florian Freistetter hält das Ganze für eine dämliche Idee und eine große Verschwendung. Auf der anderen Seite der Skala meint Stephan Dörner, Musk habe mit diesem Stunt den Technikpessimismus der 80er-Jahre beerdigt. Was denkt Ihr? Natürlich ist das auch Werbung für Musks Firmen, aber ich nehme in der öffentlichen Diskussion gerade auch eine Raumfahrtbegeisterung in der Bevölkerung wahr, wie ich sie in den vergangenen zehn Jahren selten erlebt habe. Für diesen positiven Nutzen finde ich es schon vertretbar, die erwartbaren Aufmerksamkeitstrigger zu bedienen und auf eine Testmasse mit wissenschaftlicherem Anstrich (wie sie die ESA etwa 2016 zum Mars geschickt hatte) zu verzichten. Nebenbei musste ja auch irgendjemand die Vorhersagen der Science Fiction erfüllen.
Tweets der Woche
Wo wir gerade beim Thema Raumfahrt sind …
https://twitter.com/alexwitze/status/953720990428639232
Eine alte Frage mal wieder ausführlich erörtert: Sollten Journalisten ihre Texte von Forschenden gegenlesen lassen?
Viel zu lesen hatte auch Besim Karadeniz.
https://twitter.com/besim/status/960274683600998400
Blick in die Blogs und News
- Die New York Times beeindruckt (sowohl in Form als auch in Inhalt) mit einem scrollenswerten Storytelling-Stück über Fake-Follower.
- Lesenswertes Interview: Wie DatenjournalistInnen mit Daten Geschichten erzählen.
- Das Schweizer Wissenschaftsbarometer: Bei unseren Nachbarn gibt es mehr Wissenschafts-Enthusiasten als Desinteressierte.
- Bis zum 28. Februar 2018 können Promovierte aus den MINT-Fächern sich für den Klartext-Preis bewerben.
Video der Woche
Jugend forscht gastiert am Forschungszentrum Jülich.
Video: FZJ
Die Augenspiegel-Kolumne
Die Kolumne „Augenspiegel – Webfundstücke rund um die Wissenschaft“ erscheint seit Februar 2014 etwa alle zwei Wochen freitags im Blogportal der Helmholtz-Gemeinschaft. Darin stellt Henning Krause, Social Media Manager in der Helmholtz-Geschäftsstelle, Internetfundstücke aus dem Web 1.0 und dem Web 2.0 vor, die zeigen, wie sich der gesellschaftliche Diskurs um Wissenschaft im Internet abspielt: neue Kommunikationsformen, neue Technologien und Kommunikationskulturen. Bei dieser Kuratierung spielen Blogs, Apps, Facebook, Youtube und Twitter eine Rolle – anderseits auch Internet-Meme, Shitstorms und virale Videos. Etwas ähnliches macht auch das Panoptikum auf Wissenschaftskommunikation.de.



