Augenspiegel

Augenspiegel 10-16: Gehirnbenutzende

360-Grad-Panorama der Fusionsanlage ASDEX Upgrade. Bild: IPP, Volker Steger.

Wann soll man Kinder an Technik wie Smartphones und Tablets heranführen? Ein aktueller Online-Artikel forderte nun ernsthaft: „Haltet die Kinder bis zum 12. Lebensjahr von Computern fern!“ Drei Blogger sahen das anders und berichteten in einer lesenswerten Replik über die Vorteile einer frühen Herausbildung von Technik- und Medienkompetenz. Ähnlich argumentiert auch Patrick Breitenbach: Vom Internetnutzer zum Gehirnbenutzer. Viel Lärm um nichts also? Naja, immerhin wissen wir nach der abgeflauten Aufmerksamkeitswelle um die vermeintliche „Digitale Demenz“ nun, dass XING eine eigene Nachrichtenredaktion hat.

Plattformisierung

Facebook bietet so genannte Instant Articles an, und das kann etwa so aussehen:

Das Besondere daran: Dieser Spiegel Online-Inhalt liegt nicht auf einem SpOn-Server, wo der Verlag die Kontrolle über Inhalte, Darstellung und Werbung hat, sondern bei Facebook. Facebook kann die Inhalte daher von seinem Server innerhalb der Facebook-App schneller an die Smartphones der NutzerInnen ausgeben. Und genau das ist das Versprechen, mit dem Facebook diese Instant Articles bewirbt. Das Verhalter der NutzerInnen hat sich außerdem in den vergangenen Jahren dahin entwickelt, dass Viele gar nicht mehr aus der Facebook-App herausklickentappen wollen, um Inhalte zu konsumieren. Facebook unterstützt diesen Trend seinerseits zum Beispiel dadurch, dass Youtube-Videos nun nicht mehr direkt im Newsfeed abgespielt werden – im Gegensatz zu nativ auf Facebook hochgeladenen Videos, die außerdem durch die Facebook-Algorithmus bevorzugt angezeigt werden. Aber zurück zu den Instant Articles, die der Facebook-Algorithmus in Zukunft wohl auch bevorzugen dürfte: Diese können bisher nur von (von Facebook) ausgewählten Medienpartnern angelegt werden.

Diese Woche kündigte Facebook an, dieses Format Mitte April für weitere Akteure zu öffnen. Außerdem soll es WordPress-Plugin geben, mit dem die Webseitenbetreiber (auf WordPress basiert allein etwa ein Viertel aller Webseiten weltweit), ihre Inhalte einfach in Instant Articles auf Facebook überführen können. Facebook bietet außerdem eine Möglichkeit an, die Instant Articles zu monetaresieren – entweder der Publisher kümmert sich selbst um die Werbung und kann dann alle Einnahme behalten oder er überlässt dies Facebook, die dafür dann 30 Prozent kassieren. Auf der Social Media Week war dies vergangene Woche auch Thema. Vertreter großer Medienhäuser wie Spiegel Online und Tagesschau schilderten dort ihre Abwägungen zwischen Inhalt auf der eigenen Webseite (mit einer großen Hoheit über Inhalte, Darstellung und Werbeerlöse) und der Veröffentlichung der redaktionellen Inhalte direkt auf Plattformen wie Facebook (mit einer potenziell höheren Reichweite). Prädikat: sehenswert!

Video: Social Media Week

Die Plattformisierung schreitet also weiter voran. Eine weitere Entwicklung in diesem Kontext, die etwas offener als die Facebook-Initative ist, sind die so genannten Accelerated Mobile Pages von Google. Auch hier geht es um schnellere Ladezeiten von Webinhalten auf Smartphones. Allerdings mit dem Charme, dass diese Inhalte auf den Webservern der Anbieter verbleiben und in jedem Browser und nicht nur einer proprietären App zu sehen sind. Auch hier gibt es ein WordPress-Plugin und dieses ermöglicht eine sehr schlanke Darstellung von Blog-Artikeln, um Mobil-NutzerInnen mit geringer Bandbreite Ladezeiten zu ersparen. Diese Augenspiegel-Kolumne sieht dann so aus.

Ebenfalls Thema auf der Social Media Week war die Wissenschaftskommunikation. Leider konnte ich die Einladung der Veranstalter zum Mitdiskutieren auf diesem Panel nicht annehmen. Hier ist der Videomitschnitt.

Video: Social Media Week

Tweets der Woche

Blick in die Blogs

Hier wieder eine Lesentipps aus verschiedenen Wissenschaftsblogs: Wie soll die Wissenschaft mit Unsicherheit umgehen? Ist der Umgang der Wissenschaft mit dem p-Wert zu halten, fragt retractionwatch. Der zweite von drei Experten der WÖM2-Arbeitsgruppe hat in dem neulich an dieser Stelle vorgestellten Blog sein Fazit über Wissenschaftskommunikation in sozialen Netzwerken gezogen. Mittlerweile hat der dritte Experte, Klaus Beck, einige seiner Thesen zur lebhaften Diskussion gestellt.

Kurz verlinkt

Bis Anfang Mai kann man ab sofort Beiträge für das diesjährige Forum Wissenschaftskommunikation einreichen – Thema: Science for everyone?! Wie sich Nachrichten in Sozialen Netzwerken verbreitenSocial Media helfen bei Hochwasserkatastrophen. Unser Wissenschaftscomic „Klar soweit?“ ist Teil einer Ausstellung an der University of Leeds. Norbert Lossau hat ein lesenswertes Papier über Wissenschaftskommunikation und den Wissenschaftsjournalismus geschrieben, auf das ich an anderer Stelle noch genauer eingehe.

Elektrischer Reporter

Die ZDFinfo-Sendung Elektrischer Reporter hat mich zum Thema „SciencePorn“ interviewt. Der Beitrag beginnt bei Minute 8:30, mein Teil ab 10:45.

VideoElektrischer Reporter (CC-BY-NC-SA 3.0)

Alte Technik

Alle Mensch über 30 (35?) werden sich beim Gucken dieses Videos richtig alt fühlen. Ein schönes Beispiel für den Technologie-Wandel:

Video: Fine Brothers Entertainment

Die Augenspiegel-Kolumne

Die wöchentliche Kolumne „Augenspiegel – Webfundstücke rund um die Wissenschaft“ erscheint freitags im Blogportal der Helmholtz-Gemeinschaft. Darin stellt Henning Krause, Social Media Manager in der Helmholtz-Geschäftsstelle, Internetfundstücke aus dem Web 1.0 und dem Web 2.0 vor, die zeigen, wie sich der gesellschaftliche Diskurs um Wissenschaft im Internet abspielt: neue Kommunikationsformen, neue Technologien und Kommunikationskulturen. Bei dieser Kuratierung spielen Blogs, Apps, Facebook, Youtube und Twitter eine Rolle – anderseits auch Internet-Meme, Shitstorms und virale Videos.