Augenspiegel 26-14: Unfaire Elfer, Fragen an die Natur und eklige Touchscreens
Damit es bei Sportwettkämpfen wie der aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft immer schön gerecht zugeht, gibt es die Schiedsrichter. Mit den Torlinien-Kameras, die dem Schiedsrichter signalisieren, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat, sollen die WM-Spiele noch gerechter ablaufen. Neben möglichen Fehlentscheidungen der Schiris verbleibt aber ein systematisches Element der Ungerechtigkeit in den morgen beginnenden Ausscheidungsspielen – zumindest wenn nach 90 und 120 Minuten noch kein Sieger gefunden ist. Denn: Elfmeterschießen sind nicht gerecht!
In der momentanen Form wirft der Schiedsrichter zu Beginn eines Elfmeterschießens eine Münze, die festlegt welches Team beginnt. Und damit ist bereits ein Team entscheidend benachteiligt! Denn in etwa 60 Prozent aller Fälle gewinnt die Mannschaft, die den ersten Elfmeter schießt. Das hat mit der Reihenfolge zu tun. Laut Regularium beginnt Team A und Team B legt nach. Nach fünf Elfmetern für jedes Team (in der Reihenfolge AB) wird ausgewertet. Würde man statt dem Muster AB AB AB AB AB eine andere Reihenfolge festlegen, so könnte es wesentlich gerechter zugehen. Mathematik-Blogger Christian Hesse, der dieses Problem neulich in seinem Blog ausführlich beschrieben hat, empfiehlt das Muster AB BA BA AB. Ich fände es interessant, diese Änderung mal zu machen und dann, sobald genügend statistisch aussagekräftige Daten vorhanden sind, auszuwerten, ob sich dieses systembedingte Ungerechtigkeit verändert hat.
Lindau und Kopenhagen mitverfolgen
Am Wochenende beginnt die 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung. Wie man das Event im Netz verfolgen und auch kommentieren kann, hat Beatrice Lugger im Lindau-Blog aufgeschrieben. Gerade zu Ende gegangen ist das EuroScience Open Forum (ESOF), das dieses Jahr in Kopenhagen stattfand. Aus den zahlreichen Berichten vom ESOF möchte ich hier auf einige ausgewählte hinweisen: Nuria Cerdá-Esteban vom MDC bloggte zu einer interessanten Erkenntnis: „Das größte Mobilitätshindernis von Frauen sind nicht die Kinder – es ist der Partner„. Außerdem schrieb sie einen Bericht über eine ESOF-Diskussionsveranstaltung über die Probleme des „Peer review“-Verfahrens. Martin Ballaschk stellt die Frage, ob eine Karriere in der Wissenschaft und ein gutes Familienleben wirklich vereinbar sind. Seine persönliche Antwort fällt negativ aus, doch er wirft auch ein positiven Blick nach vorne.
Wie man wissenschaftliche Artikel lesen soll, darüber schrieb Jennifer Raff diese Woche einen frisch aktualisierten Beitrag – Spoiler: Auf keinen Fall den Abstract zu erst lesen – sondern erst ganz am Schluss!
Onur Güntürkün: Der Natur Fragen stellen
Am 1. Juli 2014 erhält der Biopsychologe Onur Güntürkün den Communicator-Preis von DFG und Stifterverband. Letzterer hat ein spannendes Video mit Onur Güntürkün gedreht und unter Creative Commons-Lizenz gestellt. Sehr sehenswert!
Video: Stifterverband, CC-BY 3.0
Wissenschaft und Web 2.0
Der Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 interessiert sich dafür, wie Forscherinnen und Forscher Social Media für ihre Arbeit nutzen. Er bittet daher um Teilnahme an einer Online-Befragung, die etwa 15 Minuten Zeit kostet und noch bis zum 20. Juli 2014 läuft. Das KIT erforscht unterdessen, wie man mit Twitter Erdbeben schnell aufspüren kann – Katastrophenmanagement 2.0? Und auch die EU-Kommission setzt auf „Wissenschaft 2.0“. Sarah-Lena Gombert vom Max Planck-Institut für Kohlenforschung fragte diese Woche auf Twitter: „Wieviel Wissenschaft verträgt die ‚Netzgemeinde‘? Und umgekehrt: Wieviel Facebook, Twitter und Co. verträgt die seriöse Wissenschaft?“ Die Antworten hat sie in einem Storify gesammelt.
Neuer Studiengang Wissenschaftskommunikation
https://twitter.com/ScienceBlogs_de/status/482057852040007680
Bald startet der Vollstudiengang Wissenschaftskommunikation. Und zwar bei Prof. Alexander Gerber an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve (NRW).
Was man auf Touchscreens alles findet
Dass manche Computer-Tastatur mehr Keime enthält als die durschnittliche Toilettenbrille, hat man vielleicht schon einmal gehört. Aber wie ist das eigentlich bei anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs? Lars Fischer hat drüben in den SciLogs verbloggt, was alles so auf den Touchscreens unserer Smartphones und Tablets klebt. Fazit: Zwischen Smartphone-Nutzung und dem Essen besser Hände waschen! Ob Fäkalien-Bestandteile auch ein relevantes Problem auf den Bildschirmen sind, bedarf allerdings noch weiterer Untersuchungen.
Das CERN hat diese Woche die Zeichnerin Lison Bernet portraitiert. Sie zeichnet einmal im Monat für die französische CERN-Webseite einen Wissenschaftscomic. Spannende Einblicke! Hier gibt es ein Archiv der Zeichnungen. Unsere Comic-Zeichnerin Veronika Mischitz hatte ja vor kurzem hier im Blog mal verraten, wie eigentlich ein Helmholtz-Wissenschaftscomic entsteht.
Die Wissenschaft hat festgestellt
Aus der Reihe „wer um Himmels willen rechnet so etwa aus?“: Die Gefahr von einem weißen Hai gebissen zu werden ist sehr gering. Angeblich ist es 1850 Mal wahrscheinlicher, dass man vom uruguayischen Fußballnationalspieler Luis Suarez gebissen wird! ;-)
Die Augenspiegel-Kolumne
Die wöchentliche Kolumne „Augenspiegel – Webfundstücke rund um die Wissenschaft“ erscheint freitags im Blogportal der Helmholtz-Gemeinschaft. Darin stellt Henning Krause, Social Media Manager in der Helmholtz-Geschäftsstelle, Internetfundstücke aus dem Web 1.0 und dem Web 2.0 vor, die zeigen, wie sich der gesellschaftliche Diskurs um Wissenschaft im Internet abspielt: neue Kommunikationsformen, neue Technologien und Kommunikationskulturen. Dabei spielen Blogs, Apps, Facebook, Youtube und Twitter eine Rolle – anderseits auch Internet-Meme, Shitstorms und virale Videos.




Leser:innenkommentare (1)
Augenspiegel 28-14: Magneten-Gang, Zitatringe und kosmische Flaschenpost - Augenspiegel
[…] freue mich sehr, dass Wissenschaftscomics scheinbar immer mehr zum Medium der Wissenschaftskommunikation […]