Augenspiegel 09/14: Crowdfunding, Streitschriften und Open Data

Open Access - Bild: Public Library of Science, CC-BY-SA 3.0
Open Access – Bild: Public Library of Science, CC-BY-SA 3.0

Seit mehr als einem Jahr gibt es nun schon das Portal ScienceStarter, auf dem Forscherinnen und Forscher Geld für wissenschaftliche oder Wissenschaftskommunikationsprojekte einwerben – Crowdfunding eben. Ein kürzlich erfolgreich finanziertes Projekt heißt „Deutsche Nachkriegskinder„. Das Ziel ist es, für eine interdisziplinäre Nachfolgestudie heute etwa 70-Jährige Personen ausfindig zu machen, die zwischen 1952 und 1961 an einer medizinisch-psychologischen Studie teilnahmen. ScienceStarter Sascha Foerster von der Max-Weber-Stiftung berichtet in seinem ausführlichen Blogbeitrag über seine Erfahrungen mit dem Crowdfunding, bei dem er mehr als 10.000 Euro von etwa 100 Personen einsammelte.

Blogaward de.hypotheses.org

In Frankreich ist das Wissenschaftbloggen viel verbreiteter als in Deutschland – ein Kulturfrage. Ein großes französisches Wissenschaftsblog-Portal ist hypotheses.org, das vom französischen DFG-Pendant CNRS initiiert wurde. Der deutschsprachige Ableger de.hypotheses.org wird bald zwei Jahre alt. Daher riefen die Macher einen Blogaward aus, bei dem Leserinnen und Leser aus mehr als 90 Wissenschaftsblogs für ihren Favoriten stimmen können. Die einzelnen Blogs stellt Mareike König in einer mehrteiligen Artikelserie vor. Die Abstimmung ist noch bis zum 2. März geöffnet.

Aufreger der Woche

https://twitter.com/jz_MDC/status/435753243558563840

Gibt es wirklich nur „10 gute Wissenschaftjournalisten in Deutschland“? Das jedenfalls sagte Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin, in einer RBB-Sendung Mitte Februar (siehe Video ab Minute 35’00). Auch wenn Olbertz dies im Nachhinein anders verstanden wissen wollte, sorgte die Aussage für Diskussionen. Holger Wormer, Professor für Wissenschaftsjournalismus, konterte diese Woche mit Zahlen im Blog des Medien-Doktors. Die Wissenschafts-Pressekonferenz reagierte mit einem offenen Brief an Olbertz. Darunter steht nun auch die Antwort von Jan-Hendrik Olbertz, der eingestand, dass ihm die Bemerkung unüberlegt herausgerutscht sei. Fehler muss man eben auch eingestehen können, Respekt.

Ignorierte Streitschrift

Ragnar Vogt bloggt anlässlich des zehnten Jahrestags einer Streitschrift zur Hirnforschung und schreibt: „Es gibt Streit in der Wissenschaftscommunity! Eine Gruppe von Psychologen, Psychiatern und Philosophen wirft den Neurowissenschaften vor, zu einseitig zu forschen. Doch leider bekommen die Medien den Konflikt nicht mit.“

PLOS goes Open Data

Open Access - Bild: Public Library of Science, CC-BY-SA 3.0
Open Access – Bild: Public Library of Science, CC-BY-SA 3.0

Unter der Dachmarke „Public Library of Science“ (PLOS) erscheinen mehrere wissenschaftlichen Open Access-Zeitschriften. Die Journale sind in der Wissenschaft sehr angesehen, viele Forscherinnen und Forscher veröffentlichen hier ihre Erkenntnisse in Aufsätzen. Die nicht-kommerzielle PLOS-Zeitschriftenfamilie stellte diese Woche eine Änderung ihres Umgangs mit Daten vor. Demnach gilt für alle ab 3. März 2014 eingereichten Aufsätze:

„authors must make all data publicly available, without restriction, immediately upon publication of the article“.

Die Open Access-Zeitschriften werden damit auch zu Open Data-Zeitschriften. Alle für den Forschungsaufsatz generierten Daten müssen also auf Daten-Repositorien öffentlich zugänglich abgelegt werden. Ich bin gespannt, welche Auswirkungen diese Änderung haben wird.

Audio: Wie das Internet die Wissenschaft verändert

SWR2 Wissen sendete Anfang der Woche ein interessantes Radio-Feature von Karl Urban mit dem Titel „Der Forscher im Netz  – Wie das Internet die Wissenschaft verändert„. Sehr spannend und hörenswert! Ich empfehle auch eine lokale Sicherungskopie der MP3-Datei anzulegen, bevor die Depublikation zuschlägt.

Die Augenspiegel-Kolumne

Die wöchentliche Kolumne „Augenspiegel – Webfundstücke rund um die Wissenschaft“ erscheint freitags im Blogportal der Helmholtz-Gemeinschaft. Darin stellt Henning Krause, Social Media Manager in der Helmholtz-Geschäftsstelle, Internetfundstücke aus dem Web 1.0 und dem Web 2.0 vor, die zeigen, wie sich der gesellschaftliche Diskurs um Wissenschaft im Internet abspielt: neue Kommunikationsformen, neue Technologien und Kommunikationskulturen. Dabei spielen Blogs, Apps, Facebook, Youtube und Twitter eine Rolle – anderseits auch Internet-Meme, Shitstorms und virale Videos.

Kommentar hinzufügen

Verwandte Artikel