Auftakt mit vielen Fragen: Können, dürfen oder müssen wir am „Klima klempnern“?
Dass die Menschheit durch Verbrennung der fossilen Ressourcen das globale Klima beeinflusst, ist schon seit mehr als 20 Jahren Konsens. Dennoch kommen internationale Verhandlungen über die Reduktion von Treibhausgas-Emissionen nicht voran. Gibt es vielleicht eine einfachere Lösung, um das „Klima zu reparieren?“ Können wir mit gezielten Eingriffen die weitere Erwärmung des globalen Klimas bremsen, zum Beispiel durch großflächige Aufforstung, durch Düngung der Ozeane oder durch das Abschirmen der Sonnenstrahlung?
Solche „Climate-Engineering“-Maßnahmen sind jedoch höchst umstritten: Während Befürworter darin eine Chance sehen, um einen katastrophalen Klimawandel zu verhindern, sehen andere die Gefahr, dass schon allein diese vagen Optionen dazu führen könnten, sich noch weniger für einen wirksamen Klimaschutz zu engagieren. Dabei ist noch nicht einmal klar, ob „Climate-Engineering“ überhaupt funktionieren würde.
Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass es zurzeit mehr Fragen als Antworten gibt, und zwar nicht nur zu den naturwissenschaftlichen Aspekten im hyperkomplexen System Erde, sondern auch zu den wirtschaftlichen und rechtlichen Konsequenzen. Diese Fragen wollen sie nun in dem interdisziplinären Schwerpunktprogramm »Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?« untersuchen, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft in den nächsten sechs Jahren fördert.

Am 3. Juni 2013 trafen sich die beteiligten Experten aus den Natur- und Sozialwissenschaften, um in einer Auftaktveranstaltung das Ziel zu umreißen. „Wir wollen gemeinsam erforschen, wie wir die verschiedenen Maßnahmen im Climate Engineering bewerten können“, sagt Prof. Dr. Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der das Schwerpunktprogramm koordiniert. Dabei beobachten Philosophen die verschiedenen Argumentationsstränge und analysieren, wie unterschiedliche Disziplinen zu ihren Aussagen kommen und welche Fallstricke sie dabei übersehen.
Zum Beispiel: Wie können wir wissen, ob zwischen zwei Ereignissen ein kausaler Zusammenhang besteht? Könnte ein Eingriff an einer Stelle anderswo eine Missernte hervorrufen? Daraus ergäben sich dann auch rechtliche und ethische Fragen: Würde ein Bauer in Indien nicht lieber seine Ernte einfahren, anstatt jahrelang einen Rechtsstreit um Entschädigung zu führen?
„Das Thema Climate Engineering beeinflusst schon heute die internationalen Klimaverhandlungen“, sagt Oschlies. Um fundiert zu den Hoffnungen und Befürchtungen Stellung nehmen zu können, müssen die Möglichkeiten, Auswirkungen und Risiken von Climate Engineering umfassend erforscht werden. Das ist das Ziel des Schwerpunktprogramms.
Mehr Informationen zum Schwerpunktprogramm Climate Engineering: http://www.spp-climate-engineering.de
Zum Audiofile: Mit dabei auf der Auftaktveranstaltung waren Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Kronshagen in Kiel. Diese Schule arbeitet mit dem GEOMAR zusammen. Im Rahmen ihrer Profilkurse haben die Jugendlichen sich mit dem Klimawandel und den Möglichkeiten zur Beeinflussung des Klimas beschäftigt. Vielleicht auch deshalb sehen sie im Climate Engineering keine schnelle Lösung.
Zum Bild: Die Illustration dokumentiert, welche Aspekte auf der Podiumsdiskussion angerissen wurden. Auf dem Podium diskutierten Prof. Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, die Sprachwissenschaftlerin Prof. Nina Janich von der Technischen Universität Darmstadt, der Politikwissenschaftler Prof. Sebastian Harnisch von der Universität Heidelberg, der Rechtswissenschaftler Prof. Alexander Proelß von der Universität Trier, Manfred Treber von Germanwatch sowie der SPD-Bundestagsabgeordnete René Röspel. Der Wissenschaftsjournalist Max Rauner (Die Zeit) moderierte den Abend.
