Ein Tag … voller Meereismessung

Die Dicke des Meereises wird mit einem Maßband bestimmt. (Foto: Amelie Nüsse)

Hallo,

heute nehmen wir, das heißt Amelie, Anja, Andrey und Tim, euch mit auf Meereismessung. Seit Anfang Juni ist das Meereis in der Atka-Bucht, von der auch unser Blog seinen Namen hat, freigegeben. Das heißt, dass das Eis so stabil ist, dass wir uns ohne größeres Risiko darauf fortbewegen können.

In unserer Bucht wird jedes Jahr die Dicke des Eises im Verlauf des Winters gemessen. Dazu machen wir an sechs verschiedenen Punkten entlang der Bucht Messungen. Das Eis in unserer Bucht wird als Festeis bezeichnet, da das Meereis in der Bucht fest mit dem Schelfeis verbunden ist und sich nicht mit der Meeresströmung fortbewegt. In der Karte könnt ihr unsere Bucht sehen, Neumayer liegt am Anfang unseres Fahrtweges. Helle Farben sind hier Süßwassereis, also entweder das Schelfeis oder die Eisberge in der Bucht. Dunkelgraue Flächen sind Meereis, die fast schwarzen Flächen am oberen Bildrand sind offenes Wasser. An dem Kontrast zwischen Meer und Meereis kann man auch gut die Grenzen des Festeises sehen. Das Meereis am oberen Bildrand, dass von Stellen mit offenem Wasser durchzogen ist, bewegt sich mit der Meeresströmung weiter nach Westen fort.

Unsere Atka-Bucht und die sechs Messpunkte. Die blaue Linie zeigt unseren Fahrtweg. (Satellitenbild: Copernicus Sentinel-1 data 2024)

Heute haben wir nahezu perfektes Wetter für eine Meereismessung. Es ist bei -24°C nicht zu kalt, und außerdem hat es heute kaum Wind gegeben. Also werden die letzten Dinge auf die Schlitten geladen, und mit dem ersten Streifen Licht am Horizont – die Sonne wird allerdings noch viele Tage nicht aufgehen – geht es los Richtung Bucht.

Kurze Pause auf dem Weg zum Meereis (Foto: Anja Weber)

Nach eineinhalb Stunden Skidoo-Fahrt sind wir am Punkt Atka24 angekommen. Die 24 steht hier für die Entfernung zur westlichen Schelfeiskante in Kilometern.

Am Messpunkt werden im Schnee fünf Löcher bis zum Eis gebuddelt. Im Moment sind wir noch am Anfang der Saison, daher geht das heute sehr schnell. Je nach Messpunkt ist die Schneeschicht heute zwischen 5 und 35 cm mächtig.

Mit dem Bohrer werden Löcher ins Eis gebohrt (Foto: Anja Weber)

Dann werden mit einem Bohrer Löcher ins Eis gebohrt. Ein Maßband mit Eislot, welches auch als Gewicht dient, wird in das Loch hinabgelassen. Wenn man es vorsichtig hinabzieht, kann man das Plättcheneis spüren, wie es an das Eislot stößt. Der erste Kontakt zwischen Plättcheneis und dem Eislot ist unser erster Messwert.

Plättcheneis ist eine besondere Form von Eis. Hierbei handelt es sich um feinste Platten aus einzelnen Eiskristallen, die etwa Handteller groß werden und wenige Millimeter dick sind. Diese Plättchen lagern sich dann als dichte Schicht unterhalb des Eises an.

Die Dicke des Meereises lässt sich leichter bestimmen. Hier wird das Maßband solange hochgezogen, bis das Eislot an die Unterkante des Eises stößt.

Die Dicke des Meereises wird mit einem Maßband bestimmt. (Foto: Amelie Nüsse)

An Atka24 ist das Eis im Moment im Schnitt 83 cm dick, und wir haben etwa 20 cm Plättcheneis unterhalb der Eiskante. Im Laufe des Winters werden beide Eisdicken noch deutlich anwachsen. Letzten Dezember haben wir 2 bis 3 m dickes Eis und 4 bis 7 m Plättcheneis gemessen.

Neben den Eisdicken und der Schneehöhe messen wir auch die Temperatur in der Luft, im Schnee und im Wasser. An Atka24 messen wir heute -23,5 °C Lufttemperatur, -22,7°C Oberflächentemperatur, -14,4 °C im Schnee und -9,5 °C an der Schnee-Eis-Grenze. Man sieht hier deutlich, wie gut Schnee thermisch isoliert. Das Wasser unter uns hat im Moment -2,3°C. Durch den erhöhten Salzgehalt ist der Gefrierpunkt herabgesetzt. Zu guter Letzt nehmen wir noch eine Wasserprobe.

Das sind nicht die einzigen Messmethoden, die wir verwenden. Heute haben wir auch die GEM mit dabei. Das ist die rote Pulka, die hinter einem Skidoo hergezogen wird. In der Pulka versteckt sich ein Messgerät, dass ein elektromagnetisches Induktionsverfahren nutzt, um die Schnee- und Eisdicke zu messen. Im Gegensatz zu unseren manuellen Messungen zeichnet die GEM auch während der Fahrt zwischen den Messpunkten kontinuierlich Daten auf.

Die GEM-Pulka wird hinter einem Skidoo hergezogen und misst kontinuierlich die Schnee- und Eisdicke. (Foto: Amelie Nüsse)

So wird ein Messpunkt nach dem anderen angefahren, die Messung durchgeführt, alles wieder zurück in die Schlitten gepackt – und weiter geht es. Nach einigen Stunden auf dem Eis freuen wir uns trotzdem, endlich wieder zurück zur warmen Station fahren zu können.

Auf Neumayer werden noch die Schlitten entladen, die Protokolle am Computer eingetragen und schließlich die Wasserproben mit ins Labor genommen. Hier bestimmen wir die elektrische Leitfähigkeit der Proben, die Rückschluss auf den Salzgehalt gibt.

Wer jetzt noch mehr über die Rolle des Meereises lernen möchte, dem empfehlen wir, sich mal auf dem Meereisportal www.meereisportal.de umzuschauen.

Leser:innenkommentare (1)

  1. Ursula Denker

    Danke für eure detaillierte Information zur Eismessung. Sammeln sich die Pinguine eigentlich deshalb zum Brüten in der Atka-Bucht, weil sie dort auf dem Eis vergleichsweise „warme“ Füße behalten?
    Ursula Denker

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