Ein Tag im Leben des … Stationsingenieurs

GLT-Rechner im Technik-Büro (Foto: Johann Anger)

… oder als Seefahrer auf einer Eisscholle

 

7:05 Wecker klingelt, der noch vor mehreren Monaten mit Bedacht gewählte, so erfrischend und motivierend wirkende Weckton (Gipfel), ist auch nicht mehr das, was er mal war. Schlummertaste…

7:14 Wecker klingelt erneut.

Die morgendliche Routine beginnt damit, das Rollo zehn Zentimeter nach oben zu hieven, nur um sicher zu gehen… Hello darkness my old friend oder Good Morning Antarctica in Zeiten der Polarnacht.

Die Überlegung, es ähnlich wie der Schnee zu handhaben und einfach liegen zu bleiben, wird bisher zuverlässig und täglich wieder verworfen. Zum ersten Ziel des Tages wird der nur wenige Schritte entfernte, gemeinschaftlich genutzte Waschraum, inklusive fünf zuverlässiger Waschbecken + Spiegel, zweier Duschkabinen und einer Sitzbank; die Qual der Wahl.

Im Sommer dient die Sitzgelegenheit als willkommene Möglichkeit, lange Wartezeiten zu überbrücken und Geschichten über verschiedene Schnarch-Techniken oder andere Beob­achtungen und Erkenntnisse aus der zurückliegenden Nacht auszutauschen.

Heute, am Tag der Seefahrer, ist es ruhig, und es geht ohne unnötig lange Aufenthaltszeit ein Deck tiefer in den Arbeits- und Verpflegungsbereich.

07:31 Küche und Messe sind bereits hell erleuchtet, die Frühaufsteher sind job- oder motivationsbedingt schon auf den Beinen, Kaffee ist gekocht. Mit gefüllter Kaffeetasse geht es zwei Türen weiter in das Technikbüro, welches als Technik-Zentrale fungiert. Hier lassen sich die wichtigsten Parameter aller Anlagen überblicken – keine Auffälligkeiten oder unerwünschte Veränderungen über Nacht.

Noch vor dem Frühstück macht sich einer von uns beiden Technikern auf den Weg, allen überlebenswichtigen Anlagen einen kurzen Besuch abzustatten, diesen gut zuzureden und bei Notwendigkeit Anpassungen vorzunehmen.

Besondere Zuneigung erfahren unsere BHKWs, welche die Station mit elektrischer und thermischer Energie versorgen. Gefolgt von der Abwasseraufbereitungsanlage, welche es uns ermöglicht, dem bei der Aufarbeitung entstandene Filtrat-Wasser noch einmal als Toiletten-Spülwasser zu begegnen.

Diesel wird aus den stationsinternen Vorratstanks in den Tagestank gepumpt, um auch beim Frühstück und darüber hinaus nicht ohne Licht in der Kälte sitzen zu müssen.

Dank der von den Motoren erzeugten thermischen Energie und des scheinbar unerschöpflichen Schneevorrats vor der Haustür ist die Schneeschmelze stets gefüllt und das Auffüllen der Vorratstanks und die Trinkwasserversorgung sichergestellt.

08:14 – 8:43 Frühstück mit Hagebuttentee, Käsebrötchen, Wiener Würstchen und Tetrapack-Rührei. Schmeckt!

Die Zeit nach dem Frühstück nutzt das ÜWI-Team zur Planung und Absprache der nächsten Tage. Außerdem wird der Vormittag zum Erledigen kleinere Wartungsarbeiten und für die Müll-Management-Verarbeitung genutzt. Jeglicher an der Station anfallender Müll wird platzsparend gepackt, für die Rücksendung in Container gestaut und bei dem nächsten Schiffsanlauf verladen.

12:30-13:30 Mittagspause.

Gut erholt und gestärkt geht es dann weiter ins Öllager, um mit der Inventur voranzuschreiten und für ausreichenden Bestand und Nachbestellung an Schmier- und Verbrauchstoffen aller Aggregate und Fahrzeuge in der Zukunft zu sorgen.

16:04 Feueralarm! Zum Glück nur eine Übung, die das Team für den Fall der Fälle rüsten soll. Alles verläuft nach Plan und ohne Verluste.

17:45 Ende der Brandschutz Übung, Auswertung und Nachbesprechung.

Im Anschluss findet das tägliche ÜWI-Meeting statt, ebenfalls ohne besondere Vorkommnisse. Feierabend!

18:31 Das komplette ÜWI-Team versammelt sich zum gemeinsamen Abendessen. Einige sitzen bereits unruhig auf ihren Stühlen, was mit dem anstehenden EM-Spiel und unseren englischen Team-Mitgliedern zu tun haben könnte.

19:00 Anpfiff England vs. Slowenien. Nicht nur für den neutralen Beobachter ein wenig mitreißendes Spiel. Die Freude ist groß, als uns der Schiedsrichter mit dem Abpfiff erlöst.

21:00 Der Tag neigt sich dem Ende und einige Stationsbewohner haben die Spielanalyse bereits vorzeitig verlassen.

22:01 Es geht wieder eine Etage nach oben, ein kurzer Besuch in der Sauna und über das Gemeinschaftsbad zurück dahin,wo der Tag begonnen hat.

Sauna (Foto: Johann Anger)

23:04 Good Night Antarctica!

Leser:innenkommentare (1)

  1. Uwe Heinze

    Vielen Dank,
    für den interessanten Einblick in “ ein Tag im Leben des … Stationsingenieurs“.

    Viele Grüße an das gesamte Team.

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