Ein Tag im Leben des… Mets

Kabeltausch Windlidar (Foto: Pablo Fuentes)

Servus! Heute nehme ich, Pablo, euch mit auf eine Runde durch die Routinetätigkeiten des Meteorologen auf Neumayer.

Der Alltag des Meteorologen auf Neumayer wird durch die regelmäßigen Wetterbeobachtungen (die Obse), den Sondenstart, und weitere regelmäßige Termine bestimmt. Man, also dieses Jahr ich, kann quasi die Uhr danach stellen. Diesen Zettel hier:

habe ich in zweiter ÜWI-Generation geerbt. Er fasst die zeitkritischen Termine gut zusammen, auch wenn sich seitdem ein paar Kleinigkeiten geändert haben:

  • 5:42, 6 Uhr Obs: diesen Wecker habe ich zum Glück selten aktivieren müssen, da mein fachlicher Betreuer Holger Schmithüsen (hat selbst 2010 überwintert) mir den Termin während seines Aufenthalts auf Neumayer im Sommer abgenommen hat. Das war eine willkommene Erleichterung. Das änderte sich mit seiner Abreise, aber zum Glück nur, bis der letzte Flieger aus dem Dronning-Maud-Land abgeflogen war. Während der Wintersaison, also von ca. Anfang März bis Ende Oktober wird um 6 nur ein automatischer Obs verschickt.
  • 8:42, 9 Uhr Obs: wenn dieser Wecker klingelt, bin ich eigentlich immer am Messfeld bei meinem täglichen Rundgang. Dieser soll möglichst früh am Tag passieren. Dabei bietet es sich dann an, den 9 Uhr Obs auf dem Rückweg zu machen und dann drinnen am Rechner einzutragen. Beim Messfeldrundgang kontrolliere ich unsere Instrumente, wobei der Fokus auf den Strahlungsgebern liegt. Diese müssen (bis auf das Pyrheliometer) möglichst perfekt horizontal stehen, und regelmäßig nivelliert werden. Außerdem können die Kulotten (die Kuppeln auf den Fotos) etwa nach Nebel vereist sein, das dann entfernt werden muss. Ab und zu muss auch der Messmast bestiegen werden um die Temperatur-, Feuchte- und Windmessgeräte zu Warten.
  • Nur Mittwochs, 10:10, Ozonsonde: die letzten Vorbereitungen vor dem Start einer Ozonsonde brauchen mehr Zeit als eine gewöhnliche Radiosonde, da je über 10 Minuten lang den Hintergrundstrom der Sonde und der Bodenozonwert ermittelt wird.
  • 10:36, Radiosondenstart: ich schalte das Sounding Processing Subsystem (SPS) von Vaisala und die Standard Humidity Chamber (SHC) an. Dann packe ich die Radiosonde aus, lege mir einen Abwickler bereit und beginne mit der Kalibrierung der Sonde. Dafür wird die Sonde erst kurz erhitzt, um quasi 0% relative Feuchte zu erreichen und zu messen. Diese Kalibrierung, bei der auch die Geschwindigkeiten, Druck und Temperatur kontrolliert werden, dauert etwa 5 Minuten. Danach kommt die Sonde für 5 Minuten in die SHC, wo 100% Luftfeuchtigkeit herrscht. Jetzt geht’s endlich aufs Dach, ausgerüstet mit Ballon, Abwickler und Radiosonde, wo die Sonde nochmal für 5 Minuten in die GRUAN launch chamber kommt. Währenddessen befülle ich den Ballon und entscheide aus welcher Ecke der Ballonplattform ich starte (in Lee, mit möglichst wenigen Verwirbelungen durch die Halle). Sobald der Abwickler am Ballon hängt, und die Sonde am Abwickler, nehme ich Sonde und Ballon in die Hand, öffne die Tore (mit einem Fußschalter), und starte den Ballon zwischen 11:00 und 11:15 (wichtig!).
  • 11:42, 12 Uhr Obs: diesen Obs übernimmt Tim (unser Spusist) standardmäßig, also ist der Wecker auch deaktiviert.
  • 13:30 (erste kleine Änderung), sondeprocessing: dieses Skript starte ich, nachdem die Verbindung zur Radiosonde verloren wurde. Die Sonde ist in der Zwischenzeit auf über 30 km Höhe gestiegen, der Ballon hat sich auf das über 100-fache Volumen ausgedehnt, ist geplatzt, und wieder runtergefallen (heute, 05.05.2024: 32.9 km, 166-faches Volumen, 5,5-facher Radius, 5,0 hPa!). Ich kontrolliere die Daten kurz und verschicke sie dann. Während des Flugs werden schon automatisiert Daten an den Deutschen Wetterdienst (DWD) versendet, der sie dann weltweit zur Wettervorhersage bereitstellt.
  • 14:42, 15 Uhr Obs: anziehen, aufs Dach (bei wenig Wind) oder runter vom Stationshügel (bei etwas mehr Wind oder z.B. Nebel), Sichtweite, Wolken, Bedeckungsgrad, signifikante Wettererscheinungen beobachten, wieder rein, ausziehen, eintragen.
  • 16:30, Wettervorhersage: gestrichen! Wird von einem Dienstleister (StormGeo) übernommen und im Sommer von mir vorgestellt, und zwar bei der Stationsbesprechung um 17:30, aka der Abendandacht.
  • 17:42, 18 Uhr Obs: dasselbe Spiel nochmal! Im Sommer kommt alle 6 Stunden (0,6,12,18 Uhr UTC) zusätzlich ein METAR (Flugwettermeldung) dazu. Im Winter sprechen wir um 18 Uhr, statt um 17:30 kurz den nächsten Tag durch.
  • 20:42, 21 Uhr Obs
  • 23:42, 24 Uhr Obs: bei den letzten beiden Obsen wechseln Tim und ich uns zweiwöchentlich ab. So hat jeder von uns mal eine Woche, in der mit dem Abendessen um 18:30 Feierabend ist.

Dazwischen müssen die Daten vom Vortag validiert, die Ozonsonden-Erst- und Zweitvorbereitungen erledigt, Messgeräte kontrolliert und auftretende kleine und große “Brände” gelöscht werden. Letzteres nimmt im Winter ab, da dann nicht mehr vier Leute an allen Ecken des Met-Obs rumschrauben… Dabei müssen z.B. Kabel getauscht, Kontakte erneuert, Instrumente nach einem Sturm neu ausgerichtet, (Computer-)Skripte angepasst, und Messgeräten gut zugeordnet werden.

Must-have als Met auf Neumayer: mehrere Mützen, Balaklavas und Schlauchtücher (da sie zwischen den Obsen nicht schnell genug trocknen), Pullover/Jacken, in die man schnell rein- und rausschlüpfen kann, und fest sitzende, warme Socken.

Linux-Arbeitsplatz inklusive Validier-Notizzettel & Met-Tagebuch. (Foto: Pablo Fuentes)
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