Bei den Nachbarn ist was los
Liebe Leserinnen und Leser,
wir hatten mal wieder eine Woche lang Sturm, es gab wind-verschärfte Eiseskälte und es hat geblasen ohne Ende. Der Driftschnee ist nur so geflogen und die Eiskristalle sind uns, fein wie sie sind, sogar zu den Haustürritzen hereingeweht- was zu kleinen Schneewehen im Eingangsbereich und Indoor- Schneeschippen führte. Bei Windstärke 12/Orkan gehen auch wir nicht mehr vor die Tür. Wir machen dann Drinnenarbeiten und lassen uns von der Station schaukeln. Draußen ist die Welt richtig aus den Fugen, es tobt und tost und ohne Haus wäre man nicht gut dran. Da denken wir unweigerlich zu unseren Nachbarn herüber, den Kaiserpinguinen, die bei diesem Wetter draußen auf dem Meereis im im Orkan stehen- und ihre Eier ausbrüten.

„Unsere“ Pinguine kennen wir nun schon seit 7 Monaten. Im antarktischen Sommermonat Januar standen sie verstreut überall herum und haben ihre Mauser abgewartet. Mit dem neuen, wasserfesten Federkleid sind sie dann ins Wasser verschwunden, um sich dick und fett zu fressen für den Winter. Sie wurden so dick, dass sie sich teilweise mühsam vorwärts geschleppt haben. Ab und an konnte man sie von der Schelfeiskante aus beim Schwimmen, Planschen und Tauchen sehen. Mit Wintereinbruch fror die Bucht allmählich zu, die Pinguine fingen an, sich als große Kolonie auf dem Meereis zu versammeln.

Wir haben alles beobachten dürfen- bis hin zur „Hochzeitsverabredung“, die für mindestens ein Jahr gilt. Anscheinend stehen sich die Pinguine dabei gegenüber und schauen sich minutenlang an- echte Romantiker! Das Eierlegen haben wir ein bisschen verpasst, aber irgendwann war die Kolonie kleiner, die Weibchen vermutlich weg. Sie übergeben, ausgezehrt von der Eiproduktion, das gelegte Ei dem Männchen. Während das Männchen das Ei ausbrütet, wandert das Weibchen zum Meer, um zu fressen, gestärkt und mit Vorräten zurückzukommen und das Männchen beim Küken abzulösen. Zum Brüten hat das Männchen das Ei auf seinen an der Oberseite „beheizten“ Füßen liegen und bedeckt es mit der Bauchfalte. Es kann sogar mit dem Ei auf den Füßen herumlaufen, man erkennt dann den vorsichtigen Watschelgang bei dicker vorgewölbter Bauchfalte und etwas hochgezogenen Füßen. Als Beobachtende hält man da ein bisschen die Luft an, denn wenn das Ei ein bis zwei Minuten herausfällt, stirbt das Küken darin. Aber die Pinguine scheinen ziemlich routiniert zu sein.




Ganze zwei Monate brüten sie, unvorstellbar, und das genau in der Polarnacht und im antarktischen Winter. Wenn wir dann heftige Stürme haben oder dauerhaft um die -40°C mit Windchill, ist kaum zu glauben, dass das gutgehen kann. Tut es aber! Wir haben es mit eigenen Augen gesehen. Streng genommen haben wir es zuerst gehört: ein munteres, helles Zwitschern, das deutlich aus dem üblichen Dauerkrakeelen unserer Pinguinkolonie herauszuhören ist. Und dann haben wir sie auch gesehen: kleine, fast nackte Küken, die in sorgloser Geborgenheit unter der „Fettplautze“ ihrer Papas hausen. Ab und an wird die Bauchschürze hochgezogen und das Küken streckt den Kopf neugierig in die Welt oder gierig nach oben- wo es vom Papa mit Sekret aus dem Magen gefüttert wird. Es ist für uns unglaublich, nach Monaten der Dunkelheit und Kälte diese zarten, zerbrechlichen, fast nackten Küken zu sehen. Sie wirken, aller Nacktheit und Eiseskälte zum Trotz, völlig sorglos und geborgen. Echte Wunder der Natur!


Alle Fotos der Pinguine wurden aus sicherer Entfernung mit einem Tele-Objektiv gemacht.





Leser:innenkommentare (3)
Besim Karadeniz
Was für Wunder der Natur!
Sonia
Sigo leyendo y sigo quedando perpleja de tanta belleza. Os sigo a traves de una aplicación en la que puedo ver vuestra base y como está la metereologia. Que diferencia, donde yo resido (Melilla-España) 32°. Me encantaría un poco de ese frio
Arno
Danke für diesen beeindruckenden Bericht mit wunderbaren Fotos!!