Ein Job – 100 Aufgaben. Leben am Südpol

Amundsen-Scott-Station am Südpol
So sieht mein Zimmer am Südpol aus für den Winter. Über den Sommer, wenn mehr Leute da sind, waren die Zimmer kleiner.

Das Leben hier auf der Station bietet viele Bequemlichkeiten, aber auch einige Herausforderungen. Die Temperaturen am Südpol führen dazu, dass sehr wenig Feuchtigkeit in der Luft ist. Das ist schlecht für die Haut, aber auch für jedes elektrische Gerät, da es konstant zu elektrostatischen Entladungen kommt. Wie im letzten Beitrag schon erwähnt, sind wir vom Rest der Welt abgeschnitten, was heißt, dass unser Essen (fast) komplett ohne frisches Gemüse und Obst auskommen muss. Dafür gibt es aber eine Gruppe von Köchen, die für uns kochen und auch eine Küchenhilfe, die den meisten Abwasch erledigt. Wir haben einen Spüldienst, bei dem wir etwa ein Mal im Monat den Abwasch für die Station machen. Sonntags ist die Küche geschlossen und man ist selbst für Essen und Abwasch zuständig.

Nicht alle Bereiche der Station sind beheizt. Einige verwandeln sich daher in eine wunderschöne Eislandschaft.

Andere alltägliche Arbeiten, wie Wäsche waschen und Putzen, sind weiterhin unsere Aufgabe, allerdings mit kleinen Abänderungen. Aufgrund der hohen Kosten für Wassererzeugung steht jedem nur eine Ladung Wäsche pro Woche zu und auch das Duschen ist auf 2 mal 2 Minuten pro Woche beschränkt. Geputzt wird jeden Samstag und zwar nicht nur, wie gewohnt, das Bad oder das Wohnzimmer, sondern auch mal die Sporthalle oder der Computerraum.

Die Küche gibt sich mit unserem Essen sehr viel Mühe. Die Paprika stammen aus dem Gewächshaus.

Zudem gibt es eine Reihe von Aufgaben, die hier von den Bewohnern der Station übernommen werden müssen während des Winters. Dazu gehören Feuerwehr, Bergungsteam, Arzthelfer und das Gewächshaus. Jedes Stationsmitglied muss im Winter einem der Notfall-Teams angehören, ein Notfall betrifft uns alle und wir helfen in solchen Fällen daher natürlich auch alle mit. Zu Beginn eines Jahres werden alle Wintermitglieder gefragt, ob sie der Feuerwehr oder dem Medizinischen Team beitreten wollen. Ich habe mich für die Feuerwehr entschieden und habe dafür eine Woche lang bei der Feuerwehr in Aurora, Colorado einen Crashkurs erhalten. Wir haben gelernt wie man sich die Feuerwehrausrüstung anzieht, sind durch ein brennendes Haus geklettert und haben Feuer gelöscht.

Die Feuerwehr nutzt in ihrem Training häufig Druckluft, diese muss nach dem Training wieder aufgefüllt werden.

Richtige Feuerwehrmänner/frauen sind wir dadurch allerdings nicht geworden. Wir haben uns nur auf die für den Südpol relevanten Themen konzentriert, alles andere wurde weggelassen. Insbesondere haben wir daher nicht gelernt, wie man Wasserschläuche anschließt, legt oder benutzt, da diese hier eh gefrieren würden. Das medizinische Team hat in derselben Zeit gelernt, wie man Blut abnimmt, Wunden abbindet und andere Aufgaben übernimmt, die der Arzt im Falle eines Notfalls nicht alle selbst durchführen kann.

Abgesehen von den Pflichtaufgaben, gibt es noch einige Aufgaben für die man sich freiwillig melden kann, zum Beispiel das Gewächshaus. Unser Gewächshaus wird komplett hydroponisch betrieben, das heißt wir benutzen keinerlei Erde, sondern die Pflanzen wachsen in einer Nährstoff-Lösung. Einmal täglich muss hier die Konzentration der Mineralien und der Ph-Wert überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Zudem muss natürlich gesät, geerntet und insbesondere bei den Tomaten auch regelmäßig gestutzt werden. Wir teilen uns diese Aufgabe unter mehreren freiwilligen Helfern auf. Allgemein ist dies eine sehr beliebte Aufgabe, da das Gewächshaus der Raum mit der höchsten Luftfeuchtigkeit und mit ‚Sonnen-gleichen‘ Lampen ist.

Unser Gewächshaus Anfang des Jahres. Mittlerweile wachsen an der Seite überall Erbsen.

Natürlich kann man sich auch ohne zu helfen im Gewächshaus aufhalten ,um die Luftfeuchtigkeit und das UV-Licht zu genießen, aber ich mag auch den Geruch der frisch geschnittenen Tomaten und insbesondere der Gurken.

Die Schutzkleidung, die ich draußen trage: 3 Paar Handschuhe, 2 Schals, eine Mütze und die extrem warme Latzhose, Schuhe und Jacke.

Zudem habe ich mich für das Bergungsteam freiwillig gemeldet. Unser Team trifft sich einmal die Woche und übt verschiedene Notfälle, damit es im Ernstfall dann schnell geht. Auch wenn es mitten in der Nacht, draußen bei -60 Grad ist. Zum Glück begrenzen sich die potentiellen Notfälle hier auf einige, recht klare Szenarien. Wir haben keine Gletscherspalten oder Steilhänge aus denen Menschen geborgen werden müssten.

Hier übt das Bergungsteam, wie es eine bewusstlose Person im Kalten möglichst schnell verpackt und ins Warme bringt. Credit: J. Neff/NSF

Unsere Szenarien begrenzen sich auf unterirdische „Keller“, von denen einige immerhin 15m tief sind oder enge, geschlossene Räume, wie zum Beispiel große Rohre oder das Innenleben eines Boilers. Wir kennen die Räume, wir wissen welche Pfosten zur Not 3 Leute tragen können und müssen nicht mit vielen Unbekannten rechnen. Obwohl es das Bergungsteam seit mehreren Jahren am Südpol gibt, hatte es noch keinen Einsatz. Es wird zwar jedes Jahr eifrig trainiert und vorbereitet, doch in der Regel sind alle Leute hier so vorsichtig, dass es zu keinem Notfall kommt.

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